Als DVAG-Vermögensberater gibt es kein fixes Grundgehalt. Die Vergütung basiert ausschließlich auf Provisionen – und die können je nach Karrierestufe und persönlicher Leistung zwischen wenigen Hundert Euro im Monat (nebenberuflich) bis weit über 500.000 Euro jährlich (Direktionsleiter) reichen. Wie das Vergütungssystem genau aufgebaut ist, welche Einheiten eine Rolle spielen und was du auf welcher Stufe realistisch verdienen kannst – das findest du hier detailliert erklärt.
Kein Gehalt, sondern Provisionen
Die rund 18.000 Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung AG sind selbstständige Handelsvertreter gemäß §§ 84, 92 HGB. Das bedeutet: Es gibt kein Fixum, kein Monatsgehalt und keine arbeitgeberfinanzierte Sozialversicherung. Die gesamte Vergütung läuft über Provisionen aus der Vermittlung von Finanz- und Versicherungsprodukten sowie über Gruppenprovisionen aus dem Umsatz des eigenen Teams.
Dieses Modell gibt es bei der DVAG seit ihrer Gründung durch Reinfried Pohl im Jahr 1975. Das Prinzip lautet: „Leistung lohnt sich.“ Wer mehr vermittelt, steigt im Karrieresystem auf und erhält dabei höhere Provisionssätze.
So funktioniert das Provisionssystem
Grundprovision und Provisionsdifferenz
Jede Karrierestufe bei der DVAG ist mit einem bestimmten Provisionssatz verknüpft. Dieser Satz gilt für alle vermittelten Produkte aus dem DVAG-Portfolio – Versicherungen, Investmentfonds, Bausparverträge, Immobilienfinanzierungen und mehr.
Das Differenzprovisionsprinzip funktioniert so: Wenn ein Vermögensberater einen Abschluss über einen Partner in seiner Gruppe generiert, erhält er die Differenz zwischen seinem eigenen Provisionssatz und dem Provisionssatz des Partners, der den Abschluss gemacht hat. Je größer der Abstand zur Stufe des Partners, desto mehr bleibt oben im System.
Stornohaftung
Ein wesentlicher Bestandteil des Vergütungsmodells ist die Stornohaftungsklausel. Kündigt ein Kunde seinen Vertrag innerhalb einer bestimmten Frist (typischerweise fünf Jahre), wird ein Teil der bereits ausgezahlten Provision zurückgefordert. Das gilt für alle Karrierestufen. Die Bestandsfestigkeit des vermittelten Geschäfts ist daher eine zentrale Voraussetzung sowohl für den Karriereaufstieg als auch für die tatsächliche Nettovergütung.
Die Karrierestufen und das jeweilige Einkommenspotenzial
Das DVAG-Karrieresystem bietet zwei parallele Karrierewege:
- Unternehmer-Karriere – Fokus auf Teamaufbau und Coaching neuer Vermögensberater
- Karriereweg Praxis – Fokus auf Aufbau und Betreuung eines eigenen Kundenstamms
Beide Wege können gleichzeitig beschritten werden. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Hauptstufen und die damit verbundenen Einkommensspannen:
| Karrierestufe | Beschreibung | Einkommensspanne (jährlich) |
|---|---|---|
| Vertrauensmitarbeiter | Nebenberuflicher Einstieg, Kundenempfehlung | Einige Hundert € monatlich |
| Vermögensberater-Assistent | Nebenberuflich, Terminvereinbarung, Datenpflege | Bis ca. 10.000 € |
| Vermögensberater | Hauptberuflicher Einstieg, eigenständige Beratung | 35.000 – 55.000 € |
| Bezirksleiter | Erste Gruppenverantwortung, kleines Team | 50.000 – 75.000 € |
| Geschäftsstellenleiter | Team aus mehreren Vermögensberatern | 60.000 – 100.000 € |
| Hauptgeschäftsstellenleiter | Mehrere Geschäftsstellen unter sich | 80.000 – 150.000 € |
| Regionaldirektionsleiter | Große Vertriebsregion | 100.000 – 250.000 € |
| Direktionsleiter | Höchste Karrierestufe, eigene Direktion | 150.000 – 500.000 € + |
Anmerkung: Die Beträge sind Richtwerte aus verfügbaren Branchendaten und Erfahrungswerten. Das tatsächliche Einkommen variiert individuell.
Nebenberuflich starten: Was ist realistisch?
Vertrauensmitarbeiter und Assistent
Der Einstieg auf nebenberuflicher Basis erfolgt als Vertrauensmitarbeiter oder Vermögensberater-Assistent. In dieser Phase übernimmt man keine eigenständige Kundenberatung. Die Aufgaben umfassen die Weiterempfehlung der DVAG, die Vereinbarung von Kundenterminen und die Unterstützung hauptberuflicher Berater bei administrativen Tätigkeiten.
Das Einkommen in dieser Phase bewegt sich im Bereich mehrerer Hundert Euro pro Monat – abhängig davon, wie viele Empfehlungen zu tatsächlichen Abschlüssen führen. Für viele ist das der erste Schritt, um zu prüfen, ob der Beruf zur eigenen Persönlichkeit passt.
Hauptberuflich: Der Vermögensberater-Einstieg
Voraussetzungen für den Hauptberuf
Wer hauptberuflich als DVAG-Vermögensberater tätig werden möchte, muss folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Unterzeichneter Vermögensberater-Vertrag mit der DVAG
- Handschriftlicher Lebenslauf
- Gewerbeanmeldung
- Polizeiliches Führungszeugnis (ohne Einträge)
- SCHUFA-Auskunft
- Auszug aus dem Gewerbezentralregister
- Bestandene Agenturleiter-Prüfung
- Nachweis über die Aufgabe der früheren Hauptberufstätigkeit
- Erlaubnis nach § 34c GewO (Darlehensvermittlung)
- Erlaubnis nach § 34f GewO (Investmentfondsvermittlung)
Ab bestimmten Karrierestufen kommt die Erlaubnis nach § 34i GewO (Immobiliendarlehensvermittlung) hinzu.
Einstiegsgehalt als Vermögensberater
Im ersten Jahr als hauptberuflicher Vermögensberater liegt das realistisch erzielbare Einkommen laut Plattformdaten zwischen 35.000 und 55.000 Euro brutto jährlich. Da keine Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber übernommen werden, trägt der selbstständige Berater alle Sozialabgaben (Krankenversicherung, Rentenversicherung) selbst. Das Nettoeinkommen hängt entsprechend von der individuellen Absicherungsstruktur ab.
Das Einkommen nach Berufserfahrung
Auf Basis von über 130 realen Gehaltsangaben auf der Bewertungsplattform kununu ergibt sich folgendes Bild für die Karrierestufe „Vermögensberater“:
| Berufserfahrung | Durchschnittliches Jahresbrutto |
|---|---|
| Unter 3 Jahre | ca. 71.300 € |
| 3–6 Jahre | ca. 76.100 € |
| 6–10 Jahre | ca. 82.600 € |
| Über 10 Jahre | ca. 92.500 € |
Quelle: Kununu-Gehaltsangaben, Stand aktuelle Datenlage. Durchschnittswert über alle Vermögensberater: ca. 80.200 € brutto/Jahr.
Diese Zahlen beinhalten alle Provisionseinnahmen – also Eigen- und ggf. erste Gruppenprovisionen auf unteren Führungsstufen.
Ab Geschäftsstellenleiter: Der Hebeleffekt
Ab der Stufe Geschäftsstellenleiter verändert sich die Einkommensstruktur grundlegend. Neben den eigenen Abschlüssen fließen Gruppenprovisionen aus den Abschlüssen der zugeordneten Vermögensberater ein. Das Einkommen setzt sich dann aus zwei Quellen zusammen:
- Eigenprovision: aus der persönlichen Vermittlungsleistung
- Gruppenprovision: aus der Differenz zwischen dem eigenen und dem niedrigeren Provisionssatz der Teammitglieder
Je größer das Team und je höher die eigene Karrierestufe, desto stärker der Hebeleffekt. Ein Hauptgeschäftsstellenleiter mit mehreren aktiven Geschäftsstellen unter sich kann damit ein Einkommen erzielen, das nicht mehr proportional zur eigenen persönlichen Beratungsstunden-Anzahl wächst.
Direktionsleiter: Die Spitze des Systems
Die höchste Karrierestufe im DVAG-System ist der Direktionsleiter. Eine eigene Direktion umfasst typischerweise mehrere hundert Vermögensberater in einer mehrstufigen Organisationsstruktur. Das Einkommen speist sich fast ausschließlich aus Gruppenprovisionen.
Zusätzlich gilt laut Vermögensberater-Vertrag: Wenn aus einer Direktion (Erstdirektion) eine neue Direktion (nachgewachsene Direktion) hervorgeht, erhält der Leiter der Erstdirektion eine weitere Provision von 6 % der Grundprovision aus dieser nachgewachsenen Direktion.
Direktionsleiter erzielen Jahreseinkommen im Bereich von 150.000 bis über 500.000 Euro. Die absolute Spitze des Systems – wenige Prozent der Direktionsleiter – bewegt sich darüber.
Sonderleistungen und Zusatzvergütungen
Neben den regulären Provisionen bietet die DVAG folgende zusätzliche Vergütungselemente:
- Leistungsboni für überdurchschnittliche Ergebnisse in der Kundenberatung
- Nachhaltigkeitsboni für langfristig bestandsfestes Geschäft
- Ausbildungs- und Coaching-Vergütungen für die erfolgreiche Einarbeitung neuer Partner
- Altersvorsorge- und Risikoabsicherungsleistungen für hauptberufliche Vermögensberater und ihre Familien
- Sachleistungen und Incentives auf höheren Karrierestufen (Reisen, Auszeichnungen, Events)
Die DVAG wurde von der unabhängigen Ratingagentur Assekurata in mehreren Bewertungen mit der Höchstnote „exzellent“ für ihre Vermittlerorientierung ausgezeichnet.
Ausbildungswege und ihr Einfluss auf den Einstieg
Wer strukturiert einsteigen möchte, hat bei der DVAG drei formale Ausbildungswege:
- IHK-Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen (3 Jahre)
- Duales Bachelor-Studium (BWL) in Kooperation mit der FHDW Marburg
- Berufsbegleitender Masterstudiengang für Nachwuchsführungskräfte
Quereinsteiger steigen in der Praxis häufig direkt als Vermögensberater-Assistent oder Vermögensberater ein und absolvieren interne Qualifikationsmaßnahmen. Für den Aufstieg auf höhere Karrierestufen sind neben Vermittlungserfolgen auch persönliche und fachliche Qualifikationen relevant.
Was beeinflusst das tatsächliche Nettoeinkommen?
Da DVAG-Vermögensberater selbstständig tätig sind, gibt es mehrere Faktoren, die das tatsächlich verbleibende Nettoeinkommen beeinflussen:
- Krankenversicherung: Selbstständige tragen den vollen Beitrag selbst (gesetzlich ca. 14,6 % + Zusatzbeitrag, privat je nach Tarif)
- Rentenversicherung: Freiwillige Einzahlung oder private Absicherung erforderlich
- Stornorückstellungen: Ein Teil der Provisionen sollte für mögliche Stornorückforderungen zurückgelegt werden
- Betriebskosten: Büro, Fahrtkosten, Weiterbildung, Software etc. gehen zu Lasten des Beraters
- Einkommensteuer: Gewinn aus Gewerbebetrieb, entsprechend progressiv versteuert; Gewerbesteuer ab ca. 24.500 € Gewinn
FAQ – Häufige Fragen zum Thema
Wie viel verdient ein DVAG-Vermögensberater wirklich?
Das Einkommen variiert stark nach Karrierestufe und Erfahrung. Einsteiger im Hauptberuf verdienen rund 35.000–55.000 Euro, etablierte Vermögensberater liegen bei 70.000–90.000 Euro, und Führungskräfte ab Geschäftsstellenleiter erzielen 60.000 bis über 150.000 Euro jährlich.
Da die Vergütung vollständig provisionsbasiert ist, gibt es nach oben keine Deckelung. Gleichzeitig gibt es keine Untergrenze – wer keine Abschlüsse erzielt, erhält keine Vergütung. Das Einkommen hängt direkt an der persönlichen Vermittlungsleistung und dem Teamaufbau.
Gibt es bei der DVAG ein festes Grundgehalt?
Nein. Es gibt bei der DVAG kein fixes Grundgehalt und kein Fixum. Alle Vermögensberater sind selbstständige Handelsvertreter (§§ 84, 92 HGB) und werden ausschließlich durch Provisionen vergütet.
Eine Ausnahme bilden die Angestellten der DVAG-Zentralverwaltung (z. B. IT, Sachbearbeitung) – diese erhalten reguläre Arbeitnehmergehälter, sind aber keine Vermögensberater im Außendienst.
Was verdient man als DVAG-Einsteiger im ersten Jahr?
Im ersten hauptberuflichen Jahr liegt das realistische Einkommen zwischen 35.000 und 55.000 Euro brutto jährlich. Nebenberuflich auf der Einstiegsstufe (Vertrauensmitarbeiter) sind einige Hundert Euro monatlich möglich.
Das tatsächliche Ergebnis im ersten Jahr hängt stark davon ab, wie schnell der Aufbau des Kundenstamms gelingt, wie hoch die Abschlussrate ist und wie gut die Bestandsfestigkeit der vermittelten Verträge ausfällt.
Wie funktioniert die Stornohaftung bei der DVAG?
Wird ein vom Vermögensberater vermittelter Vertrag vom Kunden innerhalb der Haftungszeit (in der Regel bis zu fünf Jahre) gekündigt, wird ein entsprechender Teil der bereits ausgezahlten Provision zurückgefordert. Das gilt unabhängig von der Karrierestufe.
Aus diesem Grund empfiehlt die DVAG eine nachhaltige Bestandsbetreuung: Kunden sollen langfristig betreut werden, damit Verträge bestehen bleiben. Eine hohe Stornoquote verhindert zudem den Aufstieg auf die nächste Karrierestufe.
Wann wird man bei der DVAG befördert?
Eine Beförderung erfolgt, wenn bestimmte, objektiv messbare Kriterien erfüllt sind – vor allem Vermittlungsleistung, Bestandsfestigkeit und fachliche Qualifikation. Anschließend stellt der Vermögensberater einen Antrag auf Umstufung bei der DVAG.
Einzelne Karrierestufen können nicht übersprungen werden. Die jeweils einmal erreichte Stufe bleibt dauerhaft bestehen – sie kann nicht rückwirkend aberkannt werden. Das Karrieresystem gilt nach DVAG-Angaben und unabhängigen Bewertungen als transparent und planbar.
Was verdienen DVAG-Direktionsleiter?
Direktionsleiter – die höchste Karrierestufe im DVAG-System – erzielen Jahreseinkommen zwischen 150.000 und über 500.000 Euro. Die absolute Spitze kann diesen Wert deutlich übersteigen.
Das Einkommen auf dieser Stufe speist sich fast vollständig aus Gruppenprovisionen einer mehrstufigen Vertriebsorganisation mit bis zu mehreren Hundert Vermögensberatern. Zusätzlich erhält ein Direktionsleiter eine Provision von 6 % der Grundprovision aus nachgewachsenen Direktionen, die aus der eigenen Organisation hervorgehen.
Muss ich als DVAG-Berater Gewerbesteuer zahlen?
Ja. Da Vermögensberater als selbstständige Handelsvertreter ein Gewerbe betreiben, unterliegen sie der Gewerbesteuerpflicht. Der Freibetrag für natürliche Personen liegt bei 24.500 Euro jährlichem Gewinn. Einnahmen aus reiner Anlagevermittlung können unter Umständen als freiberuflich eingestuft werden – dies hängt vom Einzelfall ab und sollte steuerrechtlich geprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmer-Karriere und Karriereweg Praxis?
Beide Wege können parallel gegangen werden und unterscheiden sich im Schwerpunkt:
| Merkmal | Unternehmer-Karriere | Karriereweg Praxis |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | Teamaufbau und Coaching | Kundenstammaufbau |
| Einkommensquelle | Gruppenprovisionen | Eigenprovisionen |
| Aufstiegsziel | Direktionsleiter | Senior-Vermögensberater |
| Teamverantwortung | Ja | Nein (primär) |
Wer sowohl einen eigenen Kundenstamm aufbaut als auch neue Vermögensberater einarbeitet, profitiert von beiden Vergütungsströmen gleichzeitig.
Kann man bei der DVAG auch als Quereinsteiger gut verdienen?
Ja. Das DVAG-Karrieresystem setzt keine spezifische Vorbildung im Finanzbereich voraus. Quereinsteiger durchlaufen interne Qualifikationsmaßnahmen und können eigenständig beraten, sobald die erforderlichen Erlaubnisse nach GewO vorliegen.
In der Praxis kommen viele erfolgreiche Vermögensberater aus völlig anderen Berufsfeldern. Der Aufbau des Kundenstamms hängt maßgeblich von der persönlichen Netzwerkgröße und Kommunikationsstärke ab – nicht von finanzwirtschaftlicher Vorbildung.
Das DVAG-Einkommensmodell auf einen Blick
Das Vergütungssystem der Deutschen Vermögensberatung ist eines der komplexesten, aber auch transparentesten in der deutschen Finanzvertriebslandschaft. Kein Fixgehalt, dafür ein klares Provisionssystem, dessen Regeln für alle gleich gelten – und das nach oben keine Deckelung kennt. Wer dauerhaft aktiv vermittelt, bestandsfestes Geschäft aufbaut und ein Team entwickelt, kann auf den oberen Karrierestufen Einkommen erzielen, die weit über dem liegen, was im klassischen Anstellungsverhältnis erreichbar ist.