Mary Kay ist kein Schneeballsystem im rechtlichen Sinne – weil echte Produkte verkauft werden. Dennoch trägt das Geschäftsmodell Merkmale, die eine genaue Betrachtung lohnen. Wer die Fakten kennt, trifft bessere Entscheidungen.
Ich beschäftige mich seit über 16 Jahren mit Network Marketing – als Trainer, als jemand der selbst durch dieses Modell finanzielle Ergebnisse aufgebaut hat, und als Beobachter von Dutzenden Firmen in dieser Branche. Mary Kay taucht dabei immer wieder auf. Nicht selten mit denselben Fragen: Ist das seriös? Ist das eine Sekte? Wo steckt der Haken? Diese Fragen sind berechtigt, deshalb beantworte ich sie hier Schritt für Schritt, sachlich und auf Basis der konkreten Fakten.
Was ist Mary Kay überhaupt?
Mary Kay ist ein amerikanischer Kosmetikkonzern, der 1963 von Mary Kay Ash in Dallas, Texas, gegründet wurde. Das Unternehmen vertreibt Hautpflege, Make-up, Körperpflege und Parfüm – ausschließlich über selbstständige Beraterinnen, sogenannte Independent Beauty Consultants. Kein Einzelhandel, keine Filiale, kein Onlinestore ohne Beraterin.
Das Vertriebssystem basiert auf zwei Säulen: dem Direktverkauf an Endkunden und dem Teamaufbau, durch den Beraterinnen Provisionen auf die Bestellungen ihrer Teammitglieder erhalten. Mary Kay ist in über 40 Ländern aktiv und gehört zu den umsatzstärksten Direktvertriebsunternehmen weltweit.
Wer steht hinter dem System?
Mary Kay Ash entwickelte das Konzept bewusst als Einkommensmodell für Frauen, zu einem Zeitpunkt, als Frauen im Berufsleben in den USA noch stark eingeschränkt waren. Die Unternehmensphilosophie stellte von Anfang an die Beraterin – nicht das Produkt – in den Mittelpunkt. Dieses Selbstverständnis prägt das Unternehmen bis heute, und daraus entsteht auch die intensive Vereinskultur, die manche als sektenartig wahrnehmen.
Schneeballsystem: die rechtliche Einordnung
Nach 16 Jahren in dieser Branche beobachte ich immer wieder dasselbe Muster: Die Begriffe Schneeballsystem, Pyramidensystem und Network Marketing landen im selben Topf – obwohl sie rechtlich völlig unterschiedliche Dinge beschreiben.
Ein Schneeballsystem nach deutschem Recht (§ 16 Abs. 2 UWG) ist illegal. Es zeichnet sich dadurch aus, dass der wirtschaftliche Vorteil eines Teilnehmers überwiegend davon abhängt, neue Mitglieder zu rekrutieren – nicht vom Produktverkauf. Der Eintritt neuer Teilnehmer finanziert also die bereits vorhandenen. Das ist strafbar.
Mary Kay verkauft echte Produkte an echte Endkunden. Die Beraterinnen kaufen Produkte ein, verkaufen sie weiter und erzielen Handelsspannen von bis zu 50 %. Es gibt Produktpreise, Kostenstrukturen, Kataloge – kurz: ein tatsächliches Produktgeschäft im Hintergrund.
Was bleibt, ist die Frage: Überwiegt in der Praxis der Produktverkauf oder die Rekrutierung? Diese Frage hat keine pauschale Antwort. Sie hängt davon ab, wie die einzelne Beraterin das Geschäft betreibt. Und genau dort liegt der entscheidende Punkt, den ich weiter unten ausführe.
Was macht ein System illegal?
Der gesetzliche Unterschied liegt im Fokus:
| Merkmal | Legales MLM | Illegales Schneeballsystem |
|---|---|---|
| Einnahmenquelle | Produktverkauf an Endkunden | Hauptsächlich Rekrutierungsgebühren |
| Produkt | Vorhanden, marktfähig | Fehlt oder dient nur als Alibi |
| Rechtsstatus | Legal (DE, AT, CH) | Verboten (§ 16 Abs. 2 UWG) |
| Fokus | Absatz | Wachstum durch Mitglieder |
Ich sehe regelmäßig, dass Partner diese Tabelle falsch lesen – sie interpretieren „legal“ als „risikofrei“. Das ist ein anderes Thema, das ich weiter unten adressiere.
Mary Kay erfüllt die gesetzlichen Anforderungen für ein legales MLM-System, solange der Schwerpunkt auf dem Produktverkauf liegt. Das Unternehmen selbst betont diesen Punkt in seinen offiziellen Unterlagen ausdrücklich.
Das Vergütungsmodell im Detail
Wie verdient eine Beraterin Geld?
Das Vergütungssystem von Mary Kay gliedert sich in zwei Verdienstquellen:
1. Handelsspanne durch Direktverkauf
Beraterinnen bestellen Produkte zu einem Einkaufspreis und verkaufen sie zum empfohlenen Verkaufspreis. Die Differenz beträgt bis zu 50 %. Das ist einer der höchsten Werte im Direktvertrieb.
2. Provisionen durch Teamaufbau
Wer eigene Beraterinnen einschreibt, erhält prozentuale Provisionen auf deren Bestellungen. Je nach Karrierestufe steigen diese Prozentsätze:
- Beauty Consultant: 0 % Teamprovision
- Senior Consultant: 4 % auf persönliche Teamprovision
- Star Team Builder: 4–8 % Teamprovision
- Team Leader: 4–13 % Teamprovision
- Sales Director: bis zu 13 % Einheitprovision, plus Nachkommenschaftsprovisionen auf mehrere Ebenen
Die Karrierestufen erklärt
Mary Kay strukturiert seine Karriereleiter klar:
- Beauty Consultant – Einstiegsstufe nach Registrierung
- Senior Consultant – ab 1 persönlich eingeschriebener Beraterin
- Star Team Builder – ab 3–4 aktiven Teammitgliedern
- Team Leader – ab 5 aktiven Teammitgliedern
- Sales Director – ab 8 aktiven Teammitgliedern in der eigenen Einheit
- National Sales Director (NSD) – höchste Karrierestufe, mit Provisionen über mehrere Ebenen
Wenn ich dieses Stufensystem mit anderen Firmen im Direktvertrieb vergleiche, fällt mir auf, dass Mary Kay eines der transparenteren Modelle auf dem Markt hat. Die Karrierestufen sind klar definiert, und die Anforderungen für jede Stufe lassen sich nachvollziehen.
Was sich jedoch firmenübergreifend immer wieder zeigt: Das theoretische Vergütungsmodell und die tatsächlich erzielten Einnahmen der Mehrheit der Teilnehmer klaffen auseinander – bei Mary Kay genauso wie bei vielen anderen Firmen im Direktvertrieb. Die höchsten Provisionen erreichen jene, die konsequent Teams aufbauen und führen, nicht jene die ausschließlich Produkte verkaufen.
Der Unterschied zwischen einer Beraterin auf der Stufe Beauty Consultant und einer National Sales Director ist nicht nur ein Provisionsunterschied – es ist ein Unterschied in der Arbeitsstruktur, der Zeitinvestition und der Führungsaufgabe. Wer das nicht versteht, hat realistische Einkommenserwartungen erst nach einer gewissen Zeit.
Dieser Punkt ist in der öffentlichen Diskussion oft unterbelichtet. Die Frage ist nicht, ob das System ein Schneeballsystem ist, sondern welchen Einkommenspfad man konkret einschlägt – und was das erfordert.
Der Pink Cadillac – Karrierebelohnung oder Marketing-Gag?
Der pinkfarbene Cadillac ist das bekannteste Symbol von Mary Kay weltweit. Mary Kay Ash ließ 1967 den ersten Cadillac in einem speziellen Rosa-Ton lackieren, der zur Produktpalette des Unternehmens passte. Ab 1969 etablierte das Unternehmen das Career Car Program, das Top-Beraterinnen die Nutzung eines solchen Fahrzeugs ermöglicht.
Heute können sich Independent Sales Directors für die Nutzung eines Cadillac XT5 qualifizieren – oder alternativ eine Barauszahlung erhalten. Der aktuelle Cadillac im Programm ist der Cadillac OPTIQ, der erste vollelektrische Career Car von Mary Kay.
Wer bekommt den Cadillac wirklich?
Dazu gibt es eine klare Zahl: Laut Mary Kay Inc. erreichen etwa 1,5 % aller Beraterinnen den Status einer Independent Sales Director. Nur rund 10 % dieser Sales Directors qualifizieren sich für den Pink Cadillac. Das bedeutet: Ungefähr 0,15 % aller aktiven Beraterinnen fahren tatsächlich ein pink lackiertes Karriereauto. Der Cadillac ist also real – aber statistisch selten.
Ist Mary Kay eine Sekte?
Diese Frage hört man oft. Deshalb schaue ich mir das sachlich an.
Der häufigste Irrtum, den ich zu dieser Frage korrigiere, ist die Gleichsetzung von intensiver Unternehmenskultur mit einer Sekte. Das sind zwei verschiedene Dinge, auch wenn sie oberflächlich ähnlich wirken können.
Mary Kay setzt auf eine sehr ausgeprägte Unternehmensidentität: pinke Farben, spezifische Anredeformen, enthusiastische Team-Events, emotionale Sprache rund um Ziele und Erfolg. Für Menschen, die das von außen beobachten, wirkt das schnell fremd oder überwältigend.
Was faktisch vorhanden ist: ein starkes Gruppengefühl, das durch Rituale, Auszeichnungen und Meetingstrukturen bewusst aufgebaut wird. Das Unternehmen nutzt soziale Zugehörigkeit als Motivationsinstrument – und das sehr gezielt. Wie intensiv eine einzelne Beraterin in diese Kultur eintaucht, liegt jedoch zu einem großen Teil bei ihr selbst.
Sekten im klinischen Sinne definieren sich über Merkmale wie Kontrollmechanismen, sozialen Druck zum Verbleib, wirtschaftliche Abhängigkeit und isolierende Strukturen. Ob und in welchem Ausmaß diese Merkmale bei Mary Kay auftreten, hängt stark vom lokalen Team und der jeweiligen Direktorin ab. Das lässt sich nicht pauschal für das gesamte Unternehmen beantworten.
Was ich sagen kann: Die Frage „Ist das eine Sekte?“ entsteht meistens dann, wenn jemand beobachtet, wie intensiv eine Beraterin das Thema Mary Kay in ihr Alltagsleben integriert. Das ist eine reale Beobachtung – aber sie beschreibt das Verhalten einer Person, nicht zwingend das System hinter ihr.
Merkmale, die Menschen als „sektenartig“ wahrnehmen
Folgende Elemente beschreibt Mary Kay in seinen Strukturen, die von Außenstehenden oft als ungewöhnlich intensiv wahrgenommen werden:
- Farb- und Symbolsprache: Pinke Kleidung, pinke Autos, spezifische Symbole als Zugehörigkeitszeichen
- Hierarchische Titelsysteme: Bezeichnungen wie Go-Give, Cadillac Director oder National Sales Director mit starker emotionaler Aufladung
- Seminare und Events: Regelmäßige Veranstaltungen mit stark motivationalem Charakter, in denen Auszeichnungen öffentlich überreicht werden
- Mentoring-Strukturen: Die einschreibende Direktorin übernimmt eine Coaching- und Führungsfunktion, die über eine normale Geschäftsbeziehung hinausgeht
- Gemeinsame Werte: Mary Kay Ash formulierte explizit eine Philosophie, die Gott, Familie und Karriere in dieser Reihenfolge priorisiert – bekannt als God first, family second, career third
Kein einzelnes dieser Merkmale definiert eine Sekte. Aber ihre Kombination erzeugt eine Unternehmenskultur, die dichter und verbindlicher ist als bei den meisten anderen Unternehmen.
Der Haken – was viele nicht wissen
Die Wahrheit über den Einstieg
Der Einstieg in Mary Kay ist offiziell günstig: Startpakete beginnen bei 29 Euro (Basisstart-Set) und gehen bis zu 99 Euro für umfangreichere Pakete. Das klingt moderat, denn viele andere Firmen verlangen deutlich mehr für den Start.
Allerdings gilt ab dem ersten Tag eine zentrale Regel: Beraterinnen kaufen Produkte selbst ein, bevor sie sie verkaufen. Das bedeutet, der Umsatz läuft zunächst über das eigene Portemonnaie. Nicht der Endkunde zahlt zuerst, sondern die Beraterin.
Was wirklich einzukaufen ist
Ein Muster, das ich so oder ähnlich schon viele Male begleitet habe: Eine neue Beraterin startet motiviert, kauft ein ordentliches Lager auf Vorrat ein – weil die Direktorin empfiehlt, Produkte verfügbar zu haben – und stellt dann fest, dass der tatsächliche Abfluss an Kundschaft langsamer passiert als geplant.
Das ist keine Ausnahme. Das passiert regelmäßig und hat einen strukturellen Grund: Der Druck, ein aktives Mitglied zu bleiben, erfordert in vielen MLM-Systemen laufende Mindestbestellungen. Bei Mary Kay heißt das konkret: Eine Beraterin muss pro Quartal einen Mindestumsatz erreichen, damit sie als aktiv gilt und Anspruch auf Teamprovisionen behält.
Wer diesen Mindestumsatz nicht durch Verkäufe erzielt, kann ihn durch Eigenbestellungen erfüllen. Das ist rechtlich zulässig, hat jedoch wirtschaftliche Konsequenzen, wenn die Produkte nicht weiterverkauft werden.
Das bedeutet nicht, dass jede Beraterin in diese Situation kommt. Aber es ist ein Mechanismus, den jede angehende Beraterin kennen sollte, bevor sie unterschreibt. Denn er definiert, unter welchen Bedingungen das Einkommen tatsächlich entsteht – und unter welchen es ausbleibt.
Die Einkommensdaten im Klartext
Mary Kay Inc. veröffentlicht in den USA den Income Disclosure Statement – eine Einkommensoffenlegung. Die Zahlen zeigen: Die große Mehrheit der Beraterinnen erzielt kein hauptberufliches Einkommen aus der Tätigkeit. Viele nutzen die Consultantschaft primär, um Produkte mit Rabatt für den Eigenbedarf zu beziehen.
Das ist keine Wertung, sondern eine Tatsache. Ob das als Problem oder als persönliche Entscheidung einzustufen ist, liegt bei der einzelnen Person. Wer Mary Kay als Nebenverdienst oder Eigenbedarfsmodell nutzt, hat andere Erwartungen als jemand, der ein Vollzeiteinkommen aufbauen möchte.
Was vor dem Start zu prüfen ist
Wenn du überlegst, als Mary Kay Beraterin zu starten, gibt es konkrete Punkte, die du dir vorab anschauen solltest:
- Lagerkosten: Wie viel wirst du im Voraus einzukaufen bereit sein, bevor Kundschaft aufgebaut ist?
- Aktivitätspflicht: Welche Mindestumsätze gelten, damit du als aktive Beraterin geltst?
- Rückkaufrecht: Unter welchen Bedingungen nimmt Mary Kay nicht verkaufte Produkte zurück?
- Einnahmenrealistik: Schau in den aktuellen Income Disclosure Statement und lies, was die Mehrheit der Beraterinnen tatsächlich verdient
- Direktionsabhängigkeit: Wie viel deines Erfolgs hängt von der konkreten Direktorin ab, die dich einschreibt?
- Kündigungsmodalitäten: Wie funktioniert eine saubere Abmeldung, falls du das System verlassen möchtest?
Diese Fragen sind nicht Ausdruck von Misstrauen – sie sind Ausdruck von Professionalität.
Unterschied: Direktvertrieb vs. Schneeball
In meiner täglichen Arbeit mit Partnern sehe ich, dass der Unterschied zwischen einem seriösen Direktvertriebssystem und einem illegalen Schneeballsystem oft auf einen einzigen Testpunkt reduziert lässt: Verdient jemand Geld, auch wenn er oder sie aufhört, neue Partner zu rekrutieren?
Bei Mary Kay lautet die Antwort theoretisch Ja – weil Produkte an Endkunden verkauft werden und dafür eine Handelsspanne entsteht. Aber in der Praxis zeigt sich, dass die lukrativsten Provisionsebenen im Modell nur durch aktiven Teamaufbau erreichbar sind. Der Verkauf allein reicht für ein signifikantes Einkommen nur dann, wenn das persönliche Verkaufsvolumen sehr hoch ist.
Das ist kein Fehler im System. Es ist die Logik hinter jedem mehrstufigen Vertriebsmodell. Die wichtige Unterscheidung bleibt bestehen: Ein Produkt wechselt den Besitzer, und ein Endkunde ist bereit, dafür zu zahlen.
Ob das der Weg ist, den du gehen möchtest, ist eine andere Frage. Aber er ist legal, transparent und in vergleichbarer Form bei vielen Direktvertriebsfirmen Standard.
| Kriterium | Mary Kay | Schneeballsystem |
|---|---|---|
| Produkt vorhanden | ✅ Ja | ❌ Fehlt oder symbolisch |
| Endkundenverkauf | ✅ Möglich | ❌ Nicht relevant |
| Provisionsbasis | Produktumsatz | Rekrutierungsgebühren |
| Rechtsstatus | Legal | Illegal |
| Rückkauf möglich | ✅ Ja (unter Bedingungen) | ❌ Nein |
Die Tabelle zeigt: Auf dem Papier ist Mary Kay ein legales Vertriebsmodell. Was in der Praxis passiert, hängt davon ab, wie jede einzelne Beraterin das Geschäft betreibt.
FAQ
Ist Mary Kay in Deutschland verboten?
Nein. Mary Kay ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz legal tätig. Das Unternehmen operiert als anerkannter Direktvertrieb und ist Mitglied im Bundesverband Direktvertrieb Deutschland (BDD). Schneeballsysteme sind nach § 16 Abs. 2 UWG verboten – Mary Kay fällt nicht unter diese Definition, weil echter Produktverkauf an Endkunden stattfindet.
Der rechtliche Rahmen für Network Marketing und Direktvertrieb unterscheidet klar zwischen dem Verkauf von Produkten und dem Aufbau reiner Rekrutierungspyramiden. Solange Beraterinnen echte Produkte an externe Kunden verkaufen, ist das Modell legal. Die Grenze zur Illegalität liegt dort, wo Einnahmen überwiegend aus Rekrutierungsgebühren entstehen – nicht aus Produktumsatz. Mary Kay kommuniziert diesen Unterschied aktiv in seinen Schulungsunterlagen.
Muss ich bei Mary Kay zwingend andere rekrutieren?
Nein, denn du kannst ausschließlich als Direktverkäuferin tätig sein und Geld durch die Handelsspanne verdienen. Allerdings entfaltet das System sein volles Einkommenspotenzial erst durch Teamaufbau. In meiner täglichen Arbeit mit Partnern sehe ich, dass Beraterinnen, die rein auf Direktverkauf setzen, oft ein Nebeneinkommen erzielen – aber kein Einkommen, das einem Vollzeitgehalt entspricht.
Die 50 % Handelsspanne auf persönliche Verkäufe ist der attraktivste Einzelwert im System. Für ein monatliches Einkommen von z. B. 2.000 Euro netto aus Direktverkauf bedeutet das rechnerisch – ein Muster, das ich so ähnlich schon viele Male gesehen habe – ein persönliches Verkaufsvolumen von ungefähr 4.000 Euro netto monatlich, was am Anfang ohne aufgebauten Kundenstamm eine erhebliche Anlaufzeit braucht. Wer die Einkommensstruktur realistisch plant, kombiniert deshalb beide Pfade: Direktverkauf für den sofortigen Ertrag, Teamaufbau für das langfristige passive Einkommen.
Was kostet der Einstieg wirklich?
Das Startpaket beginnt bei 29 Euro und geht bis rund 99 Euro. Dieser Betrag ist die offizielle Einstiegsgebühr.
Hinzu kommen in der Praxis Lageraufbau, eigene Produktbestellungen zur Erfüllung der Aktivitätsschwelle sowie optionale Schulungsunterlagen und Event-Teilnahmen. In der Momentum-Macher-Gruppe taucht genau diese Frage regelmäßig auf, und dabei zeigt sich: Der Einstieg klingt günstig, aber der tatsächliche Kapitaleinsatz im ersten Jahr liegt deutlich höher – je nachdem, wie intensiv man das Geschäft betreibt. Wer das vorab mit der einschreibenden Direktorin durchrechnet, hat eine klarere Grundlage für die Entscheidung.
Kann man bei Mary Kay wirklich Geld verdienen?
Ja – aber mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ebenen. Eine kleine Minderheit der Beraterinnen erzielt ein signifikantes Einkommen, während die Mehrheit die Tätigkeit als Nebenverdienst oder für den Eigenbedarfsrabatt nutzt.
Der veröffentlichte Income Disclosure Statement von Mary Kay USA zeigt, dass nur ein kleiner Prozentsatz der aktiven Beraterinnen hauptberufliche Einkommen erzielt. Das ist bei Mary Kay strukturell ähnlich wie bei den meisten anderen Direktvertriebsunternehmen. Wer ein ernsthaftes Einkommen aufbauen möchte, braucht sowohl einen tragfähigen Kundenstamm als auch ein aktives, verkaufendes Team. Wer nur Produkte verkauft, ohne Teamaufbau, bleibt in der Einkommensstruktur auf den unteren Stufen.
Wie funktioniert die Rückgabe bei Mary Kay?
Mary Kay bietet ein Rückkaufrecht für nicht verkaufte Produkte. Beraterinnen können unter bestimmten Voraussetzungen ungebrauchte, noch verkaufsfähige Waren an das Unternehmen zurückgeben.
Die genauen Konditionen – Zeitraum, Rückerstattungsprozentsatz und Bedingungen – regelt der jeweilige Beraterin-Vertrag. Nach der Richtlinie der US-Muttergesellschaft kauft Mary Kay Produkte zurück, die innerhalb von zwölf Monaten nach dem Kauf erworben und nicht weiterverkauft wurden, zu mindestens 90 % des ursprünglichen Einkaufspreises. Für Deutschland gelten möglicherweise abweichende länderspezifische Regelungen – das klärt am schnellsten ein Blick in den aktuellen Händlervertrag oder ein Gespräch mit dem Unternehmen direkt. In meiner Beobachtung wissen viele Beraterinnen von diesem Rückkaufrecht, aber kennen die genauen Bedingungen oft nicht im Detail.
Warum wirkt Mary Kay für manche wie eine Sekte?
Das hat mit der sehr dichten Unternehmenskultur zu tun: intensive Events, emotionale Auszeichnungen, eine gemeinsame Farbsprache und eine ausgeprägte Community-Identität. Das erzeugt von außen den Eindruck starker gruppeninterner Bindung.
Nach 16 Jahren in dieser Branche ist mir klar, dass dieses Muster bei Mary Kay stärker ausgeprägt ist als bei den meisten anderen Direktvertriebsunternehmen. Die Unternehmenskultur wurde von Mary Kay Ash bewusst als Gegenentwurf zu klassischen Arbeitsverhältnissen entworfen – mit viel Anerkennung, Emotionalität und Zugehörigkeitsgefühl. Das kann motivierend wirken, wenn man sich damit identifiziert. Es kann aber auch überwältigend wirken, wenn man einen anderen Arbeitsstil gewohnt ist. Eine Sekte im rechtlichen oder klinischen Sinn ist Mary Kay damit nicht – aber eine Unternehmenskultur mit deutlich mehr emotionaler Intensität als der Durchschnitt.
Darf ich Mary Kay Produkte auch online verkaufen?
Ja, Mary Kay ermöglicht Beraterinnen einen personalisierten Online-Shop, über den Kunden direkt bestellen können. Die Produkte werden dann von Mary Kay direkt an den Kunden geliefert, und die Beraterin erhält ihre Handelsspanne.
Diese Möglichkeit besteht offiziell, ist jedoch in der Praxis mit Einschränkungen verbunden. So gelten territoriale Regelungen, und Beraterinnen dürfen Mary Kay Produkte nicht über externe Plattformen wie eBay oder Amazon anbieten, da das gegen die Vertriebsrichtlinien verstößt. Der Onlineshop läuft ausschließlich über die offizielle Mary Kay Infrastruktur.
Was ist der Unterschied zwischen Sales Director und NSD?
Der Sales Director leitet eine eigene Einheit aus mindestens acht aktiven Beraterinnen und erhält Provisionen auf diese erste Ebene. Der National Sales Director (NSD) ist die höchste Karrierestufe und erhält Provisionen auf mehrere nachgelagerte Ebenen.
Ein Muster, das ich so oder ähnlich schon viele Male begleitet habe: Der Aufstieg zum Sales Director gilt als realistisch erreichbares Ziel mit konsequentem Teamaufbau über ein bis zwei Jahre. Der Sprung zum NSD hingegen erfordert Jahre intensiver Führungsarbeit und die Entwicklung mehrerer eigener Directors in der Downline. Der NSD gilt als das strukturelle Rückgrat des Mary Kay Systems – mit Einkommensmöglichkeiten, die einem Unternehmereinkommen nahekommen. Weltweit gibt es einige hundert aktive NSDs.
Kann ich bei Mary Kay auch als Mann starten?
Ja. Obwohl Mary Kay historisch auf weibliche Beraterinnen ausgerichtet war und auch heute noch überwiegend Frauen im Vertrieb hat, steht das System formal allen Personen offen. Die offizielle Bezeichnung lautet Independent Beauty Consultant, unabhängig vom Geschlecht.
Was passiert, wenn ich aufhören will?
Eine Kündigung des Beraterinvertrages ist in der Regel jederzeit möglich. Der genaue Ablauf richtet sich nach dem aktuellen Vertragswerk, das Mary Kay Deutschland zur Verfügung stellt. Nicht verkaufte Produkte können unter den Rückkaufbedingungen zurückgegeben werden. Nach der Kündigung erlischt der Anspruch auf Teamprovisionen sofort, da keine aktive Zugehörigkeit mehr besteht.
Was du jetzt weißt – und die wenigsten richtig einordnen
Mary Kay ist kein Schneeballsystem, keine Sekte – aber auch kein passives Einkommensmodell, das ohne Einsatz funktioniert. Die entscheidende Frage ist nicht, wie das System auf dem Papier aussieht, sondern wie du es in der Praxis nutzt.
Ich habe in 16 Jahren in dieser Branche eines gelernt: Jedes Modell trägt die Möglichkeit des Erfolgs und die Möglichkeit der Enttäuschung in sich. Der Unterschied liegt fast nie im System – er liegt im Verständnis, mit dem jemand einsteigt.
Network Marketing, in welcher Form auch immer, ist ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug gilt: Wer versteht, wie es funktioniert, kann damit bauen. Wer das nicht tut, kommt nicht weit. Du weißt jetzt, wie dieses spezielle Werkzeug aufgebaut ist – das ist der größte Vorteil, den du mitbringen kannst.
Rock it!
Dein Willi