Rund um MONAT-Haarpflegeprodukte wurden in den USA mehrere Klagen eingereicht, die einen Zusammenhang zwischen Produktverwendung und Haarausfall behaupten. MONAT hat die Vorwürfe in allen Verfahren zurückgewiesen und eigene Testergebnisse zur Produktsicherheit vorgelegt. Dieser Artikel dokumentiert den Ablauf der Verfahren, die Positionen beider Seiten und den Stand der Dinge.
Die ersten Klagen: Was eingereicht wurde
Das erste größere Verfahren wurde am 20. Februar 2018 am United States District Court in Florida eingereicht. Die Klägerinnen Trisha Whitmire und Emily Yanes de Flores stellten Anträge auf Sammelklagestatus (Class Action). In dem Verfahren wurde geltend gemacht, dass MONAT-Produkte entgegen der Bewerbung als haarwachstumsfördernde und sichere Produkte bei einem Teil der Anwender Haarausfall und Kopfhautreizungen ausgelöst hätten.
Ein weiteres Verfahren wurde am 14. Mai 2018 unter dem Aktenzeichen 1:18cv21915 (Maur v. Monat Global Corp. et al.) eingereicht. Weitere Klagen folgten, darunter Stefforia v. Monat Global Corporation (Aktenzeichen 1:18cv22837). Insgesamt wurden mehrere Verfahren in verschiedenen US-Bundesstaaten anhängig gemacht.
Inhalt der Klageschriften
Die Klageschriften enthalten im Wesentlichen folgende rechtliche Anträge und Behauptungen:
- Die Produkte seien als „natürlich basiert“, „sicher“ und „für alle Haartypen geeignet“ beworben worden
- Trotz dieser Bewerbung hätten Anwender Haarausfall, Haarbruch, Kopfhautreizungen und Kopfhautentzündungen gemeldet
- Das Unternehmen habe bei Beschwerden auf einen normalen „Detox-Prozess“ hingewiesen, den Anwender beim Umstieg auf MONAT-Produkte durchlaufen würden
- Die Formulierungen der Produkte entsprächen nicht den beworbenen Eigenschaften
- Es liege „false and deceptive advertising“ (falsche und irreführende Werbung) nach US-amerikanischem Recht vor
MONAT hat zu dem „Detox“-Hinweis öffentlich Stellung genommen. Ein Unternehmenssprecher erklärte in einem aufgezeichneten Interview: „We no longer do that. We don’t do it.“ – Der Hinweis auf einen Detox-Prozess wurde damit offiziell eingestellt.
Das MDL-Verfahren
Aufgrund der Vielzahl paralleler Klagen leitete das United States Judicial Panel on Multidistrict Litigation (JPML) ein MDL-Verfahren ein. MDL steht für Multidistrict Litigation – ein US-Verfahren zur Zusammenfassung gleichartiger Klagen vor einem einzigen Gericht, um parallele Beweisaufnahmen zu vermeiden.
Das Verfahren wurde unter dem MDL-Aktenzeichen MDL-2841 geführt. Im Rahmen eines MDL-Verfahrens werden alle bundesweit eingereichten Einzelklagen zu einem Verfahren zusammengeführt. Die Beweisaufnahme (discovery) erfolgt zentral. Nach Abschluss der Beweisaufnahme werden die Einzelfälle an die jeweiligen ursprünglichen Gerichte zurückgegeben.
Die Position von MONAT
MONAT hat in allen Verfahren eine einheitliche Position vertreten:
- Die Produkte seien sicher, wenn sie gemäß Anleitung verwendet werden
- Unerwünschte Reaktionen träten nur bei einem kleinen Prozentsatz der Anwender auf
- Das Unternehmen habe unabhängige klinische Tests in Auftrag gegeben, die die Produkte als „non-irritating, hypoallergenic and dermatologically safe for their intended use on all skin types“ auswiesen
- MONAT hat Gegenklagen gegen ehemalige Distributoren und zwei Friseure eingereicht, die öffentliche Äußerungen über das Unternehmen gemacht hatten (Klagen vom 19. und 21. Februar 2018)
FDA-Beteiligung
Die US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA hat sich mit dem Thema befasst.
FDA-Berichte und Inspektion
- Bis Mitte 2018 wurden bei der FDA nahezu 200 Adverse-Event-Berichte (Meldungen über unerwünschte Reaktionen) im Zusammenhang mit MONAT-Produkten eingereicht
- Die FDA führte eine Inspektion der MONAT-Produktionsstätte durch
- Der Inspektionsbericht der FDA dokumentierte das Ergebnis; eine behördliche Anordnung zur Produktrücknahme oder ein Verkaufsverbot wurden nicht ausgesprochen
Was FDA-Adverse-Event-Berichte bedeuten
Ein Adverse-Event-Bericht bei der FDA ist eine freiwillige Meldung durch Verbraucher oder Fachpersonen. Diese Berichte dokumentieren den gemeldeten Sachverhalt, stellen jedoch keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Produkt und gemeldeter Reaktion dar. Die Anzahl der Meldungen gibt Auskunft über das Meldeaufkommen, nicht über eine behördlich festgestellte Kausalität.
Reaktionen und Anpassungen von MONAT
Im Zuge der Verfahren hat MONAT folgende Maßnahmen dokumentiert:
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Einstellung des Detox-Hinweises | Der Hinweis auf einen Detox-Prozess bei Produktwechsel wurde eingestellt |
| Zusätzliche Warnhinweise | Auf bestimmten Produkten wurden zusätzliche Hinweise angebracht |
| Formulierungsanpassungen | An einzelnen Produktformulierungen wurden Änderungen vorgenommen |
| Klinische Tests | MONAT hat unabhängige dermatologische Tests in Auftrag gegeben |
| Zusammenarbeit mit Fachleuten | Verstärkte Kooperation mit Dermatologen und Trichologisten dokumentiert |
Ausgang der Verfahren
Die Verfahren haben unterschiedliche Verläufe genommen:
- Ein Teil der Klagen wurde außergerichtlich beigelegt (settled out of court)
- Weitere Verfahren liefen als aktive Klagen weiter
- MONAT hat in keinem der Verfahren eine Schuld anerkannt
- Eine gerichtliche Entscheidung, die MONAT eine Schädigung durch Produkte nachweist, liegt nach verfügbarem Stand nicht vor
Was ein Class-Action-Verfahren rechtlich bedeutet
Für das Verständnis der MONAT-Verfahren ist die Kenntnis des US-Rechtssystems relevant.
Ablauf eines Class-Action-Verfahrens in den USA
- Einreichung: Eine oder mehrere Personen reichen eine Klage ein und beantragen Sammelklagestatus
- Zertifizierung: Das Gericht prüft, ob die Gruppe der Kläger die Voraussetzungen für eine Sammelklage erfüllt
- Discovery: Umfangreiche Beweisaufnahme durch beide Seiten
- Settlement oder Urteil: Verfahren enden entweder durch außergerichtliche Einigung oder gerichtliches Urteil
- Benachrichtigung: Bei Einigung werden alle Betroffenen benachrichtigt und können ihre Ansprüche anmelden
Eine Einigung in einem Class-Action-Verfahren bedeutet nicht automatisch, dass das Gericht die Klagepunkte als berechtigt festgestellt hat.
Der Unterschied: USA vs. Deutschland
Die dokumentierten Klagen wurden ausschließlich in den USA eingereicht. Für den deutschen Markt gilt:
- MONAT ist in Deutschland seit dem offiziellen Marktstart im Soft Launch tätig
- Die deutschen Verbraucherschutzgesetze – insbesondere das UWG und das ProdHaftG (Produkthaftungsgesetz) – gelten für in Deutschland verkaufte Produkte
- Für Produktreklamationen in Deutschland ist der deutsche Rechtspfad maßgebend, nicht das US-amerikanische Class-Action-System
| Aspekt | USA | Deutschland |
|---|---|---|
| Klageform | Class Action (Sammelklage) | Individualklage oder Verbandsklage |
| Behörde für Produktmeldungen | FDA | BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) |
| Rechtliche Grundlage | State Law, Federal Law | UWG, ProdHaftG, BGB |
| Marktstart MONAT | Seit Gründung aktiv | Offiziell ab Dezember 2024 |
| Laufende Verfahren | Dokumentiert | Nicht öffentlich bekannt |
Produktreklamation: So geht man vor
Wer MONAT-Produkte in Deutschland erworben hat und eine Reaktion dokumentieren möchte, hat folgende Optionen:
- Direkt bei MONAT: Über das offizielle Reklamationsformular auf monatglobal.com/de
- Beim BfR: Das Bundesinstitut für Risikobewertung nimmt Meldungen zu Kosmetika entgegen unter bfr.bund.de
- Bei der zuständigen Behörde: In Deutschland sind die Landesämter für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit für Kosmetikbeschwerden zuständig
- Dermatologische Abklärung: Ein Dermatologe oder Trichologie-Spezialist dokumentiert medizinische Befunde, die als Grundlage für weitere Schritte dienen
Fazit
Die MONAT-Klagen wegen Haarausfall sind ein dokumentierter Sachverhalt aus dem US-amerikanischen Rechtssystem. Die Verfahren wurden ab Anfang 2018 eingereicht, teils außergerichtlich beigelegt, teils weitergeführt. MONAT hat die Vorwürfe durchgehend zurückgewiesen und eigene Sicherheitstests vorgelegt. Eine gerichtlich festgestellte Kausalität zwischen MONAT-Produkten und Haarausfall liegt nach verfügbarem Stand nicht vor. Für Deutschland gelten eigene rechtliche Rahmenbedingungen.
FAQ: Die wichtigsten Fragen
Was ist die Monat Klage wegen Haarausfall?
Ab Februar 2018 wurden in den USA mehrere Class-Action-Klagen gegen MONAT Global Corp. eingereicht. Die Kläger behaupteten, dass MONAT-Haarpflegeprodukte entgegen der Bewerbung als haarwachstumsfördernd und sicher bei einem Teil der Anwender Haarausfall und Kopfhautreaktionen verursacht hätten. MONAT hat die Vorwürfe in allen Verfahren zurückgewiesen.
Wann wurden die MONAT-Klagen eingereicht?
Die erste größere Klage wurde am 20. Februar 2018 am United States District Court in Florida eingereicht. Weitere Verfahren folgten im selben Jahr. Das United States Judicial Panel on Multidistrict Litigation fasste mehrere parallele Klagen im MDL-Verfahren MDL-2841 zusammen.
Wie hat MONAT auf die Klagen reagiert?
MONAT hat alle Klagen zurückgewiesen und eine einheitliche Position vertreten: Die Produkte seien sicher bei sachgemäßer Anwendung, und unerwünschte Reaktionen träten nur bei einem kleinen Prozentsatz der Anwender auf. Das Unternehmen hat unabhängige klinische Tests in Auftrag gegeben. Darüber hinaus hat MONAT Gegenklagen gegen ehemalige Distributoren und Friseure eingereicht, die öffentliche Äußerungen über das Unternehmen gemacht hatten.
Was ist der aktuelle Stand der MONAT-Klagen?
Ein Teil der Verfahren wurde außergerichtlich beigelegt. Weitere Verfahren sind weitergelaufen. MONAT hat in keinem Verfahren eine Schuld anerkannt. Eine gerichtliche Entscheidung, die eine Kausalität zwischen MONAT-Produkten und Haarausfall feststellt, ist nach verfügbarem Stand nicht dokumentiert.
Hat die FDA MONAT untersucht?
Ja. Bis Mitte 2018 wurden bei der FDA nahezu 200 Adverse-Event-Berichte zu MONAT-Produkten eingereicht. Die FDA führte daraufhin eine Inspektion der MONAT-Produktionsstätte durch. Ein behördlich angeordneter Produktrückruf oder ein Verkaufsverbot wurden nicht ausgesprochen.
Was bedeutet ein FDA Adverse-Event-Bericht?
Ein FDA Adverse-Event-Bericht ist eine freiwillige Meldung durch Verbraucher oder Fachpersonen über eine unerwünschte Reaktion im Zusammenhang mit einem Kosmetikprodukt. Die Meldung dokumentiert den berichteten Sachverhalt. Sie stellt keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Produkt und Reaktion dar und ist kein behördlicher Befund.
Was ist ein MDL-Verfahren?
MDL steht für Multidistrict Litigation – ein US-amerikanisches Verfahren zur Zusammenfassung mehrerer gleichartiger Klagen vor einem einzigen Bundesgericht. Ziel ist es, parallele Beweisaufnahmen zu vermeiden und das Verfahren effizienter zu gestalten. Die MONAT-Klagen wurden im MDL-Verfahren MDL-2841 zusammengeführt.
Was war der Detox-Hinweis von MONAT?
In der Anfangsphase der Beschwerden wies MONAT in seiner Verkaufsdokumentation auf einen sogenannten Detox-Prozess hin – eine Phase, in der beim Wechsel auf MONAT-Produkte ein vermehrter Haarausfall normal sei. Ein MONAT-Sprecher erklärte in einem aufgezeichneten Interview öffentlich, dass dieser Hinweis eingestellt worden sei: „We no longer do that. We don’t do it.“
Gelten die US-Klagen auch für Deutschland?
Nein. Die dokumentierten Klagen wurden ausschließlich in den USA eingereicht. Für Deutschland gelten eigene Verbraucherschutzgesetze, insbesondere das UWG und das Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG). Für Meldungen zu Kosmetika in Deutschland ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zuständig. US-amerikanische Gerichtsurteile entfalten in Deutschland keine direkte Rechtswirkung.
Wie meldet man in Deutschland eine unerwünschte Reaktion auf ein Kosmetikprodukt?
In Deutschland stehen folgende Wege zur Verfügung: direkte Reklamation beim Hersteller über den offiziellen Kundenservice, Meldung beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unter bfr.bund.de, Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie eine dermatologische oder trichologische Untersuchung zur medizinischen Dokumentation.