Als Telis Finanz Berater verdienst du rein provisionsbasiert – es gibt kein fixes Grundgehalt im Außendienst. Wie viel das konkret bedeutet, hängt von deiner Stufe, deiner Stornohistorie und deinen Teamstrukturen ab. Dieser Artikel legt alle Zahlen offen – ohne Marketingsprech, aber auch ohne künstliche Dramatik.
Ich begleite seit über 16 Jahren Menschen im Strukturvertrieb und Finanzdienstleistungsbereich, deshalb kenne ich Systeme wie das von Telis aus vielen Gesprächen und Vergleichen. Was ich dir hier zeige, sind keine Versprechen und keine Warnungen – sondern Fakten, die du für eine informierte Entscheidung brauchst. Denn wer die Spielregeln kennt, kann sie nutzen. Wer sie nicht kennt, stolpert.
Was ist Telis Finanz eigentlich?
Die Telis Finanz AG mit Sitz in Regensburg bezeichnet sich selbst als größten inhabergeführten Finanzdienstleister in Deutschland ohne Kapitalbeteiligung Dritter. Telis arbeitet mit über 310 Produktpartnern und rund 4.000 Produkten zusammen, darunter große Versicherungsgesellschaften, Banken und Investmentanbieter.
Das Geschäftsmodell trennt sich klar in zwei Bereiche: die Zentrale (Festangestellte in Regensburg) und den Außendienst (selbstständige Handelsvertreter nach §84 HGB). Diese Unterscheidung ist für die Gehaltsbetrachtung fundamental, denn beide Bereiche funktionieren nach völlig verschiedenen Prinzipien.
Verdienst als Festangestellter in der Zentrale
Wer in der Regensburger Zentrale fest angestellt arbeitet, bezieht ein reguläres Gehalt, sozialversicherungspflichtig und mit den üblichen Arbeitnehmerrechten. Laut vorliegenden Gehaltsangaben sehen die Spannbreiten je nach Position folgendermaßen aus:
| Position | Jahresgehalt (ca.) |
|---|---|
| Büroangestellte/r | 31.500 € |
| Sachbearbeiter/in | 39.300 € |
| Assistenz der Geschäftsführung | 45.500 € |
| Finanzberater/in (Zentrale) | 56.800 € |
| Teamleiter/in | 68.800 € |
| Vertriebsleiter/in | 86.100 € |
| Unternehmensberater/in (Zentrale) | 128.000 € |
Diese Zahlen stammen aus Selbstangaben auf Gehaltsplattformen, deshalb sind sie als Orientierungswerte zu verstehen – nicht als garantierte Werte. Die Gehaltszufriedenheit liegt laut Kununu bei 3,7 von 5 Punkten, also exakt im Branchendurchschnitt.
Zusätzlich bietet Telis Festangestellten ein 13. Monatsgehalt, betriebliche Krankenversicherung, TELIS-Betriebsrente, vermögenswirksame Leistungen sowie eine Unternehmensbeteiligung, die mit der Betriebszugehörigkeit steigt.
Der Außendienst: Selbstständig auf Provisionsbasis
Wer im Außendienst für Telis tätig wird, unterschreibt einen Handelsvertretervertrag nach §84 HGB. Das bedeutet: kein Grundgehalt, kein Krankenversicherungsschutz durch den Arbeitgeber, keine bezahlten Urlaubstage. Nach mehr als 16 Jahren Beobachtung dieses Branchenmodells sehe ich immer wieder, dass genau dieser Punkt – der Unterschied zwischen Selbstständigkeit und Anstellung – von Einsteigern unterschätzt wird.
Viele Menschen, die ein Gespräch mit einem Telis-Berater führen, denken anfangs, sie bekämen eine Art Fixgehalt plus Provision. Das ist falsch. Der Außendienst bei Telis funktioniert ausschließlich durch Abschlussprovisionen und Override-Provisionen aus dem eigenen Team.
Das bedeutet in der Praxis: Im ersten Jahr, solange du noch keine stabile Kundenbasis und kein starkes Team hast, kann der Verdienst deutlich unter einem regulären Angestelltengehalt liegen. Gleichzeitig gibt es keine Obergrenze nach oben – das ist die Kehrseite derselben Medaille.
Wer dieses Modell mit offenen Augen wählt und konsequent Strukturen aufbaut, kann damit erhebliche Einkommen erzielen. Wer es als sichere Anstellung missversteht, erlebt früh eine Ernüchterung.
Diese Ernüchterung habe ich in Gesprächen mit ehemaligen Telis-Partnern mehrfach erlebt – nicht weil das System nicht funktioniert, sondern weil die Erwartung nicht zur Realität gepasst hat. Das ist kein Telis-Problem, das ist ein Aufklärungsproblem.
Wie das Provisionssystem funktioniert
Telis nutzt ein mehrstufiges Provisionssystem, das typisch für Strukturvertriebe ist. Du verdienst auf zwei Ebenen:
1. Direkte Abschlussprovision: Für jeden Vertrag, den du selbst abschließt, erhältst du einen prozentualen Anteil der Provision, die der Produktgeber (Versicherung, Bank) ausschüttet.
2. Override-Provision: Für die Abschlüsse deines Teams (also der Berater, die du eingestellt und ausgebildet hast) erhältst du einen zusätzlichen Differenzprovisionsanteil.
Die konkrete Provisionshöhe je Produkt variiert erheblich. Lebens- und Rentenversicherungen bringen tendenziell höhere Abschlussprovisionen als Sachversicherungen oder Bausparverträge, deshalb bilden sie in vielen Strukturvertrieben die Haupteinnahmequelle.
Was kostet die Stornoreserve?
Telis zahlt Provisionen häufig diskontierend aus – das heißt, du erhältst den Großteil deiner Provision sofort bei Vertragsabschluss, nicht anteilig über die Laufzeit. Gleichzeitig gilt eine Stornohaftung: Wird ein Vertrag vor Ende der Haftungszeit (bei Lebensversicherungen oft 5 Jahre) storniert, musst du einen Teil der Provision zurückzahlen.
Für die Absicherung dieses Risikos behält Telis einen Teil deiner Provisionen als Stornoreserve ein. Dieser Betrag liegt üblicherweise bei etwa 10 % jeder Provision und fließt auf ein separates Konto. Nach Ablauf der Haftungszeiten erhältst du diesen Betrag zurück – soweit keine Stornos eingetreten sind.
Das OLG Karlsruhe hat in einem Grundsatzurteil (Az. 15 U 7/17) festgestellt, dass Finanzvertriebe eine pauschale Verrechnung der Stornoreserve nach Vertragsende nicht einfach vornehmen dürfen, sondern jeden einzelnen einbehaltenen Betrag konkret nachweisen müssen. Dieser rechtliche Rahmen gilt damit auch für Telis-Handelsvertreter.
Ein häufiges Missverständnis, das ich in der Begleitung von Partnern immer wieder korrigiere: Die Stornoreserve ist kein „Strafmechanismus“ – sie ist ein kalkuliertes Risikopuffer-System, das in nahezu allen Strukturvertrieben dieser Branche standard ist.
Karrierestufen und Verdienst im Außendienst
Telis unterscheidet im Außendienst verschiedene Karrierestufen. Der Blick über mehrere Strukturvertriebe hinweg zeigt, dass die Benennung der Stufen variiert, das Grundprinzip aber überall ähnlich ist: Einstieg als einfacher Berater, Aufstieg zur Führungskraft, Erreichen einer Direktoren-Ebene.
Bei Telis läuft das in der Praxis so ab: Du startest als Unternehmensberater für den privaten Haushalt – das ist die interne Bezeichnung für Finanzberater auf Einstiegsstufe. Von dort aus steigst du über nachgewiesene Abschlussvolumina und Teamgröße in höhere Rangstufen auf.
Je höher deine Rangstufe, desto höher dein persönlicher Provisionssatz auf eigene Abschlüsse – und desto höher der Override-Anteil auf die Abschlüsse deines Teams. Das Differenzprovisionsprinzip funktioniert dabei so: Wenn du auf einer höheren Stufe bist als dein Teammitglied, verdienst du den Unterschied zwischen beiden Provisionssätzen auf jeden Abschluss dieses Teammitglieds.
Was ich beim Vergleich vieler Strukturvertriebe konsistent beobachte: Die ersten zwei bis drei Jahre im Außendienst sind fast überall mit denselben Mustern verbunden – überdurchschnittlicher Aufwand bei unterdurchschnittlichem Einkommen, solange kein stabiles Team steht. Wer das einplant, navigiert deutlich klarer.
Auf Direktoren-Ebene hingegen zeigt sich ein anderes Bild: Hier kommen mehrere Einkommensströme zusammen – eigene Abschlüsse plus Overrides aus mehreren Teamebenen. In dieser Phase kann das monatliche Einkommen die Marke von 10.000 Euro deutlich überschreiten.
Einkommensbeispiele nach Stufe
Die konkreten Provisionssätze je Rangstufe veröffentlicht Telis nicht öffentlich. Aus Gehaltsplattformen und Branchenvergleichen lassen sich jedoch folgende Orientierungsbereiche ableiten:
| Karrierestufe | Geschätztes Jahreseinkommen (aktiver Aufbau) |
|---|---|
| Einsteiger/in (Jahr 1–2) | 12.000 – 30.000 € |
| Berater/in mit stabilem Kundenstamm | 30.000 – 60.000 € |
| Teamleiter/in (kleines Team) | 60.000 – 100.000 € |
| Direktor/in (größeres Team) | 100.000 € + |
| Führungskraft (Vertriebsleitung) | 120.000 € + |
Ein Muster, das ich so oder ähnlich schon viele Male begleitet habe: Ein Berater mit drei bis vier aktiven Teammitgliedern, die monatlich jeweils zwei bis drei Abschlüsse erzielen, kommt über die kombinierte Direkt- und Override-Provision schnell in die Größenordnung von 6.000 bis 8.000 Euro brutto monatlich – vorausgesetzt, die Stornorate bleibt niedrig. Die tatsächlichen Zahlen variieren je nach Produktwahl und Provisionssatz des jeweiligen Produktgebers.
Diese Zahlen sind Orientierungswerte, keine Garantien. Im Außendienst gibt es keine feste Einkommensgarantie – weder nach oben noch nach unten.
Was „Produktpartner“ bei Telis bedeutet
Der Begriff Produktpartner bezieht sich bei Telis auf die über 310 Produktgesellschaften, mit denen Telis zusammenarbeitet – also Versicherungen, Banken, Fondsgesellschaften und weitere Finanzdienstleister. Du als Berater bist nicht der Produktpartner, sondern du vermittelst die Produkte dieser Partner.
Das ist ein wichtiger Unterschied, der im Außenauftritt manchmal verschwimmt: Wenn ein Telis-Berater von „unseren Produktpartnern“ spricht, meint er die Produktgesellschaften, nicht andere Berater.
Für dich als Berater bedeutet das: Du hast Zugang zu einem breiten Produktspektrum, aus dem du theoretisch unabhängig wählen kannst. In der Praxis zeigt sich branchenweit, dass besonders hoch vergütete Produkte – vor allem Lebens- und Rentenversicherungen – häufig eine prominentere Rolle in Beratungsgesprächen spielen, da sie höhere Provisionen einbringen.
Was verdient ein Telis Direktor konkret?
Die Direktor-Ebene bei Telis ist keine feste Berufsbezeichnung mit definierten Gehaltsangaben – es ist eine Karrierestufe, die bestimmte Strukturgrößen voraussetzt. Ein Muster, das ich immer wieder beobachte: Wer echte Direktoren-Ergebnisse erzielt, hat in der Regel ein Team von 15 bis 30+ aktiven Beratern aufgebaut, die ihrerseits regelmäßig Abschlüsse generieren.
Nehmen wir ein konkretes Beispielrechnung: Ein Direktor mit 20 aktiven Beratern, die monatlich je einen Abschluss mit einer Durchschnittsprovision von 800 Euro erzielen – und der Direktor bezieht 20 % Override auf jeden davon. Das ergibt: 20 × 800 € × 20 % = 3.200 € Override pro Monat. Zusätzlich kommen seine eigenen Abschlüsse hinzu. Dieses Beispiel zeigt die Logik des Systems – die tatsächlichen Zahlen variieren je nach Produktwahl und Provisionsstufe stark.
Was ich bei Beratern auf Direktoren-Niveau außerdem regelmäßig beobachte: Die eigene Abschlussquote sinkt mit wachsendem Team, weil die Energie zunehmend in Führung, Schulung und Rekrutierung fließt. Das Einkommen wächst trotzdem, weil die Override-Basis breiter wird.
Dieser Übergang – von der eigenen Produktivität zur Teamproduktivität – ist der entscheidende Hebel. Wer ihn meistert, baut ein skalierbares Einkommen auf. Wer auf der Ebene des Solo-Beraters bleibt, hat ein direktes Tauschgeschäft: Zeit gegen Geld.
Ist Telis Finanz seriös?
Ja. Telis Finanz ist kein Schneeballsystem und auch nicht auf der BaFin-Warnliste gelistet. Das Unternehmen ist ein regulierter Finanzdienstleister mit allen erforderlichen Zulassungen, deshalb gelten für alle Berater die üblichen gesetzlichen Beratungs- und Dokumentationspflichten.
Gleichzeitig ist „seriös“ kein Freibrief für jedes Detail. Das Vertriebsmodell – Strukturvertrieb auf Provisionsbasis – bringt systembedingte Eigenschaften mit:
- Provisionsgetriebene Beratung: Der Berater verdient nur, wenn ein Vertrag abgeschlossen wird. Das schafft theoretisch einen Interessenkonflikt zwischen Kundennutzen und Beraterverdienst.
- Lange Kündigungsfristen: Handelsvertreterverträge bei Telis enthalten teils lange Kündigungsfristen. Procontra berichtete, dass ein Telis-Mitarbeiter nach Vertragsende zwei Jahre lang keine Telis-Kunden „anfassen“ darf – ein Standard-Wettbewerbsschutzklausel im Strukturvertrieb, deren konkrete Ausgestaltung jedoch rechtliche Fragen aufwirft.
- Provisionsrückforderungen: Stornos können Rückforderungen auslösen. Wie eine erfolgreiche außergerichtliche Einigung der Kanzlei Jöhnke & Reichow zeigt, lassen sich Provisionsrückforderungen im Streitfall oft reduzieren – aber das kostet Zeit und Nerven.
Ist Telis ein Schneeballsystem?
Nein. Ein Schneeballsystem liegt vor, wenn das Geschäftsmodell primär auf der Rekrutierung neuer Mitglieder basiert und kein echtes Produkt existiert. Telis vermittelt reale Finanzprodukte an reale Kunden, deshalb erfüllt es nicht die Definition eines Schneeballsystems. Das Vergütungsmodell enthält Multi-Level-Elemente (Override-Provisionen), ist aber rechtlich als Strukturvertrieb anerkannt und reguliert.
Was bei Kündigung passiert
Wer den Handelsvertretervertrag bei Telis kündigt, tritt in eine Reihe von Mechanismen ein, über die ich in meiner Trainer-Tätigkeit mehr Fragen höre als über fast jedes andere Thema. Der häufigste Irrtum: Viele glauben, nach der Kündigung sei alles geregelt – Provisionen ausgezahlt, Stornoreserve zurück, fertig.
So läuft es in der Praxis oft nicht ab. Im Zeitraum zwischen Ausspruch und Wirksamwerden der Kündigung ist Telis laut Handelsvertretervertrag berechtigt, von der weiteren Bevorschussung abzusehen und eine Sicherheiten-Quote von 100 % für offene Provisionen festzulegen. Das bedeutet: Neue Abschlüsse in der Kündigungszeit schüttet Telis zunächst nicht aus.
Dazu kommt die Stornoreserve. Telis darf diese nach dem Ende der Zusammenarbeit einbehalten – aber, wie das OLG Karlsruhe klargestellt hat, nur mit vollständigem Einzelnachweis je Vertrag. Pauschale Einbehaltungen ohne Nachweis sind rechtlich nicht haltbar.
Was ich außerdem immer wieder sehe: Wer den Vertrag ohne rechtliche Begleitung auflöst, gibt oft Ansprüche auf, die er gar nicht aufgeben müsste. Das betrifft vor allem den Ausgleichsanspruch nach §89b HGB, den selbstständige Handelsvertreter unter bestimmten Bedingungen nach Vertragsende geltend machen können. Dieser Anspruch verjährt, wenn man ihn nicht kennt oder nicht rechtzeitig anmeldet.
Wer eine Kündigung plant, sollte sich vor dem Aussprechen anwaltlich beraten lassen – insbesondere zum Ausgleichsanspruch, zur Stornoreserve und zu etwaigen Wettbewerbsklauseln.
Welche rechtlichen Schritte gibt es bei Streit?
Provisionsstreitigkeiten zwischen Handelsvertretern und Telis landen, wenn keine außergerichtliche Einigung erzielt wird, vor dem Landgericht (Handelssachen). Das zuständige Gericht richtet sich nach dem Gerichtsstand, der im Handelsvertretervertrag vereinbart wurde – häufig Regensburg.
Außergerichtliche Einigungen, wie die von Jöhnke & Reichow dokumentierte Reduzierung einer Provisionsrückforderung um ca. zwei Drittel, zeigen: Mit anwaltlicher Begleitung lassen sich Forderungen oft deutlich reduzieren.
Telis als Arbeitgeber: Was sagen Bewertungen?
Auf Kununu bewertet Telis über 200 Mitarbeiter. Der Gesamteindruck auf Trustpilot liegt bei 3,0 von 5 Sternen. Diese Mittelwerte verbergen eine breite Streuung: Festangestellte in der Zentrale bewerten das Arbeitsklima häufig positiv, während Bewertungen aus dem Außendienst heterogener ausfallen.
In meiner täglichen Arbeit mit Vertriebspartnern aus verschiedenen Strukturvertrieben sehe ich ein Muster, das sich bei Telis genauso zeigt wie bei anderen Systemen: Die Bewertung hängt enorm davon ab, welchen Führungspartner jemand hatte, als er ins System einstieg. Wer einen erfahrenen, ehrlichen Mentor hatte, der klare Erwartungen gesetzt hat, bewertet rückblickend positiv. Wer mit falschen Versprechen eingestiegen ist, bewertet negativ – obwohl das System dasselbe war.
Das zeigt sich besonders bei Stornothemen. Wer vorab über Stornoreserven, Rückforderungsrisiken und die Selbstständigkeitsrealität aufgeklärt wurde, kommt mit diesen Mechanismen gut zurecht. Wer damit überrascht wurde, empfindet das System als unfair – obwohl die Regeln vertraglich vereinbart waren.
Ein konkretes Muster: Berater, die in den ersten 18 Monaten überwiegend Lebensversicherungen mit langen Haftungszeiten abgeschlossen haben, ohne auf die Stornoquote zu achten, hatten nach zwei Jahren oft ein Provisionskonto, das trotz guter Abschlusszahlen kaum Nettoeinkommen zeigte. Das ist kein System-Bug – das ist die Stornoreserve-Logik, die bei undurchdachtem Abschlussverhalten stark zuschlägt.
Was das für dich bedeutet: Die Qualität der Verträge, die du abschließt, ist langfristig wichtiger als die Quantität. Ein Vertrag mit hoher Stornoquote frisst seine eigene Provision auf – oft erst Monate oder Jahre später.
Die Bewertungen auf Kununu und Trustpilot sind deshalb für eine individuelle Entscheidung nur begrenzt hilfreich. Weit aufschlussreicher ist ein direktes Gespräch mit mehreren aktiven Telis-Beratern auf unterschiedlichen Karrierestufen.
FAQ
Wie viel verdient ein Telis Finanz Berater im Monat?
Das hängt direkt von der Karrierestufe und der Abschlussaktivität ab. Einsteiger im ersten Jahr erzielen häufig zwischen 1.000 und 2.500 Euro monatlich netto, während erfahrene Berater mit stabilem Kundenstamm 3.000 bis 5.000 Euro und mehr erreichen können.
Da alle Einnahmen aus Provisionen stammen, gibt es weder ein Minimum noch ein Maximum. Die Monate mit hoher Abschlussaktivität bringen entsprechend mehr, ruhige Monate entsprechend weniger. Wer keine Abschlüsse erzielt, verdient nichts – das ist der Kern des §84-HGB-Modells. Gleichzeitig gibt es keine Deckelung nach oben: Wer ein produktives Team aufgebaut hat, verdient auf dessen Abschlüssen mit, auch wenn er selbst an dem Monat keine eigenen Abschlüsse erzielt. Das macht den Unterschied zwischen einem Solo-Berater und einem Teamführer aus.
Verdient ein Telis Direktor mehr als 10.000 Euro im Monat?
Ja, das ist auf Direktoren-Ebene möglich und kommt in der Praxis vor. Voraussetzung ist ein aktives Team mit ausreichend Abschlussvolumen, das über die Override-Provision des Direktors läuft.
Ein Direktor bezieht Einkommen aus zwei Quellen gleichzeitig: eigene Abschlüsse und Override auf die Teamproduktion. Je größer und aktiver das Team, desto höher der Override-Anteil. Ein Muster, das ich so oder ähnlich schon mehrfach begleitet habe: Sobald ein Direktor 20 bis 30 aktive Berater unter sich hat, die jeweils monatlich ein bis zwei Abschlüsse erzielen, kommt das kombinierte Einkommen aus eigener Abschlussaktivität und Override-Provisionen häufig über die 10.000-Euro-Marke. Das ist kein Automatismus, sondern das Ergebnis von aktivem Teamaufbau und konstanter Führungsarbeit.
Was ist der Unterschied zwischen Festangestellten und selbstständigen Beratern?
Festangestellte arbeiten in der Telis-Zentrale in Regensburg und beziehen ein reguläres Gehalt mit allen Sozialleistungen. Selbstständige Berater im Außendienst haben einen Handelsvertretervertrag nach §84 HGB, kein Fixgehalt und keine Absicherung durch den Arbeitgeber.
| Merkmal | Festangestellte/r | Selbstständige/r Berater/in |
|---|---|---|
| Vergütung | Fixgehalt | Rein provisionsbasiert |
| Sozialversicherung | Arbeitgeberanteil | Selbst zu tragen |
| Krankenversicherung | Arbeitgeber beteiligt | Vollständig selbst |
| Urlaubsanspruch | Gesetzlich geregelt | Kein bezahlter Urlaub |
| Einkommensobergrenze | Verhandelt/Tariflich | Keine Obergrenze |
| Einkommensrisiko | Gering | Hoch (kein Mindesteinkommen) |
Diese Tabelle zeigt den fundamentalen Unterschied zwischen beiden Modellen – und ich sehe in meiner Arbeit immer wieder, dass dieser Unterschied im Recruiting nicht immer klar kommuniziert wird. Wer zum ersten Gespräch geht, sollte direkt fragen: „Bin ich bei euch angestellt oder selbstständig?“ – und sich die Antwort schriftlich geben lassen.
Muss ich bei Telis Provisionen zurückzahlen?
Ja, unter bestimmten Bedingungen. Wenn ein vermittelter Vertrag innerhalb der Haftungszeit storniert wird, fordert Telis anteilige Provisionen zurück. Die Haftungszeit variiert je nach Produktart und beträgt bei Lebensversicherungen häufig fünf Jahre.
Telis zahlt Provisionen oft vorab aus (diskontierendes Provisionsmodell), sodass du bei Vertragsabschluss mehr erhältst als den laufend verdienten Anteil. Wird der Vertrag storniert, entsteht daraus ein Rückforderungsanspruch. Für die Absicherung behält Telis eine Stornoreserve von üblicherweise rund 10 % jeder Provision ein. Diese Reserve dient als Puffer für Stornos. Nach Ablauf der Haftungszeiten – soweit keine Stornos aufgetreten sind – erhältst du den Reserve-Betrag zurück. Wer qualitativ hochwertige Beratung liefert und Verträge abschließt, die langfristig bestehen bleiben, hat mit diesem Mechanismus praktisch kein Problem.
Wie lange sind die Kündigungsfristen bei Telis?
Die Kündigungsfristen im Handelsvertretervertrag von Telis sind nach Berichten aus der Branche vergleichsweise lang und überschreiten häufig die gesetzlichen Mindesfristen. Procontra berichtete zudem von einer zweijährigen Sperrklausel bezüglich Telis-Kunden nach Vertragsende.
Nach §89 HGB beträgt die gesetzliche Mindestkündigungsfrist im ersten Vertragsjahr einen Monat, im zweiten Jahr zwei Monate, danach drei Monate – jeweils zum Monatsende. Vertraglich können längere Fristen vereinbart werden, sofern die Frist für den Unternehmer nicht kürzer ist als die des Handelsvertreters. In der Praxis zeigt sich bei Telis, dass Kndigungsfristen von bis zu sechs Monaten in manchen Verträgen vorkommen. Wer eine Kündigung plant, sollte den eigenen Vertrag genau lesen und rechtlich prüfen lassen, denn in der Kündigungszeit gilt die vertraglich mögliche Provisionsbevorschussungssperre.
Kann man bei Telis als Quereinsteiger starten?
Ja. Telis wirbt ausdrücklich damit, dass keine Vorkenntnisse in der Finanzbranche erforderlich sind. Das Unternehmen bietet Ausbildungsstrukturen, Softwarezugang und Backoffice-Unterstützung. In meiner täglichen Arbeit mit Partnern sehe ich immer wieder, dass der Erfolg als Quereinsteiger weniger von Fachwissen abhängt als von der Fähigkeit, Vertrauen bei Kunden aufzubauen und systematisch zu arbeiten.
Praktisch bedeutet das: Du benötigst eine Sachkundenachweis (nach VersVermV), den du durch eine Prüfung vor der IHK erwirbst. Telis bereitet dich intern auf diese Prüfung vor. Außerdem brauchst du eine Zulassung als Versicherungsvermittler nach §34d GewO, die du beim zuständigen Gewerbeamt beantragst. Dieser Prozess dauert einige Wochen bis Monate. Erst danach darfst du rechtlich eigenständig Versicherungsverträge vermitteln. Die Kosten für Pflichtmitgliedschaften (z. B. IHK) und Berufshaftpflichtversicherung trägst du als Selbstständige/r selbst.
Was passiert mit meiner Stornoreserve nach der Kündigung?
Nach Vertragsende darf Telis die Stornoreserve nicht pauschal einbehalten, sondern muss jeden einbehaltenen Betrag einzeln und nachweisbar einem konkreten Stornofall zuordnen. Das hat das OLG Karlsruhe in einem Grundsatzurteil (Az. 15 U 7/17) festgestellt.
Praktisch bedeutet das: Du kannst nach Vertragsende eine Kontoabrechnung verlangen, die jeden Eintrag auf deinem Provisionskonto dokumentiert. Wenn Telis Stornoreserven einbehält, muss das Unternehmen für jede Position nachweisen, welcher Stornofall dazu geführt hat und in welcher Höhe. Fehlt dieser Nachweis, bist du rechtlich in der Position, die pauschale Einbehaltung anzufechten. Dafür empfiehlt sich anwaltliche Begleitung – idealerweise mit einem Anwalt, der auf Handelsvertreterrecht spezialisiert ist.
Was verdient ein Telis Berater im Vergleich zu anderen Strukturvertrieben?
Das Vergütungsniveau bei Telis liegt im mittleren bis oberen Bereich im Vergleich zu ähnlichen Strukturvertrieben in der Finanzdienstleistungsbranche. Nach 16 Jahren in dieser Branche ist mir klar, dass nicht das Provisionsniveau alleine entscheidet, sondern die Kombination aus Stornobedingungen, Produktqualität und Führungskultur des Direktors, dem man zugeordnet ist.
Vergleichsstrukturen wie OVB, MLP oder AWD/Swiss Life Select nutzen ähnliche Modelle – Abschlussprovisionen plus Override-Struktur. Die Unterschiede liegen im Detail: bei den Provisionssätzen je Produktkategorie, bei den Stornoquoten des gesamten Systems und bei der Unternehmensgröße des eigenen Vertrags. Ein direkter Provisionsvergleich ist nur auf Basis konkreter Produktabschlüsse möglich, da die Sätze je Produktgeber individuell ausgehandelt sind.
Zahlt Telis ein Grundgehalt an Außendienstmitarbeiter?
Nein. Außendienstmitarbeiter bei Telis sind selbstständige Handelsvertreter nach §84 HGB und erhalten kein Grundgehalt.
Diese Tatsache steht manchmal im Widerspruch zu dem, was Einsteiger in Erstgesprächen mitnehmen. In der Momentum-Macher-Gruppe taucht genau diese Frage regelmäßig auf – und dabei zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Viele Menschen, die einem Telis-Berater zugehört haben, dachten im Anschluss, sie hätten ein Grundgehalt plus Provision vereinbart. Das lässt sich direkt aus den Vertragsunterlagen klären: Wenn im Vertrag kein Fixum steht, gibt es keins. Lies den Vertrag, bevor du unterschreibst – idealerweise mit einem Fachanwalt für Handelsrecht.
Ist Telis Finanz BaFin-reguliert?
Ja. Telis Finanz arbeitet mit zugelassenen Versicherungsvermittlern und Finanzanlagevermittlern und unterliegt den entsprechenden gesetzlichen Anforderungen. Telis selbst steht nicht auf der BaFin-Warnliste für unerlaubte Finanzgeschäfte.
Die individuelle Zulassung als Versicherungsvermittler liegt dabei bei jedem einzelnen Berater, nicht beim Unternehmen pauschal. Jeder Berater muss seine eigene Erlaubnis nach §34d GewO vorweisen. Die BaFin-Aufsicht für Versicherungsvermittler liegt allerdings bei den Industrie- und Handelskammern, nicht direkt bei der BaFin – das ist ein häufig genanntes Missverständnis.
Was du jetzt weißt – und die meisten vor dem ersten Gespräch nicht wissen
Telis ist kein Schneeballsystem, kein unlizenzierter Anbieter und kein Betrug. Gleichzeitig ist es auch kein sicherer Arbeitgeber, der dir ein Gehalt zahlt, wenn du nichts abschließt. Das Modell hat klare Spielregeln – und wer diese Spielregeln kennt, kann informiert entscheiden.
Die wirklich wichtige Frage ist nicht „Ist Telis seriös?“ – die Antwort ist Ja. Die wirklich wichtige Frage ist: Passt das Modell zu dir? Selbstständigkeit auf Provisionsbasis bedeutet Unternehmerrisiko, und das ist kein Fehler des Systems, sondern sein grundlegendes Prinzip.
Wer in Network Marketing und Strukturvertrieb mit Klarheit startet, baut auf festem Fundament. Wer mit vagen Vorstellungen startet, kämpft lange gegen Enttäuschungen an, die gar keine sein müssten.
Rock it!
Dein Willi