Die Verbraucherzentrale kritisiert Provisionsberatung im Finanzvertrieb grundsätzlich – und Tecis gehört als Strukturvertrieb zu genau diesem Umfeld. Wer bei Tecis einsteigen oder Kunde dort werden möchte, sollte verstehen, was dahintersteckt: wie das Modell funktioniert, was die Provision wirklich bedeutet und welche Fakten für eine fundierte Entscheidung relevant sind.
Ich beobachte seit Jahren, wie Menschen über Tecis stolpern – oft durch einen Bekannten, manchmal durch eine Stellenanzeige. Die erste Reaktion ist fast immer dieselbe: Eine Mischung aus Neugierde und Unsicherheit. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar, denn Tecis ist kein gewöhnlicher Arbeitgeber und kein gewöhnlicher Finanzberater. Das Modell hat echte Besonderheiten, die du kennen solltest – bevor du irgendeine Entscheidung triffst.
Was ist Tecis überhaupt?
Tecis Finanzdienstleistungen AG ist ein deutsches Finanzberatungsunternehmen mit Sitz in Hamburg. Das Unternehmen gehört zu 100 Prozent zum Schweizer Konzern Swiss Life Holding AG. Weitere Marken innerhalb desselben Konzerns sind Swiss Life Select, HORBACH und ProVentus.
Wikipedia beschreibt Tecis direkt als „Strukturvertrieb (Netzwerk-Marketing), in einem internen Pyramidensystem organisiert“. Das ist keine Kritik – das ist die faktische Beschreibung des Geschäftsmodells. Tecis vermittelt Versicherungen, Kapitalanlagen, Finanzanlagen und Immobilien von über 250 Produktpartnerunternehmen für Privathaushalte.
Wichtig: Beraterinnen und Berater bei Tecis arbeiten selbstständig als Handelsvertreter – also nicht als klassische Angestellte. Diese Unterscheidung ist fundamental für alles, was danach kommt.
Das Strukturprinzip dahinter
Tecis organisiert sich hierarchisch. Wer einsteigt, beginnt als Trainee oder Junior-Berater. Darüber folgen Stufen wie Berater, Senior-Berater, Sales Manager, Teamleiter und schließlich Country Manager. Mit jeder Stufe steigen die möglichen Provisionssätze – aber auch die Verpflichtungen.
Das Besondere an Strukturvertrieben: Führungskräfte verdienen nicht nur an ihren eigenen Abschlüssen, sondern auch an den Abschlüssen ihrer Untergebenen. Das ist die Kernmechanik des Modells. Wer aufsteigen will, baut also ein eigenes Team auf.
Was sagt die Verbraucherzentrale dazu?
Die Verbraucherzentrale spricht sich grundsätzlich gegen provisionsbasierte Finanzberatung aus. Das betrifft nicht nur Tecis – sondern das gesamte Modell, das Tecis, DVAG, MLP und ähnliche Vertriebe nutzen.
Der zentrale Standpunkt: Finanzberaterinnen und Finanzberater auf Provisionsbasis empfehlen – für Kunden nicht erkennbar – gezielt jene Produkte, mit denen sie am meisten verdienen. Nicht unbedingt jene, die dem Kunden am besten passen.
Ich habe in 16 Jahren Network Marketing und Vertriebsbegleitung viele Modelle von innen und außen gesehen. Was die Verbraucherzentrale hier beschreibt, ist kein theoretisches Risiko – das ist eine strukturelle Realität.
Ein Berater, der ausschließlich von Abschlussprovisionen lebt, steht täglich vor derselben Frage: Empfehle ich das Produkt, das dem Kunden wirklich nützt – oder das, das mir mehr einbringt? Diese Spannung lässt sich nicht durch guten Willen allein auflösen, weil das System selbst die Anreize setzt.
Ein Beispiel, das ich immer wieder beobachtet habe: Ein Berater empfiehlt einem jungen Menschen eine fondsgebundene Lebensversicherung statt eines simplen ETF-Sparplans. Warum? Weil die Lebensversicherung eine hohe Abschlussprovision trägt. Der ETF-Sparplan kaum. Das ist kein Betrug – aber es ist auch keine unabhängige Beratung.
Was das für dich als Interessent bedeutet: Die Verbraucherzentrale unterscheidet klar zwischen Finanzberatung und Finanzvertrieb. Tecis betreibt Finanzvertrieb. Das ist nicht verboten, aber du solltest wissen, was du bekommst – und was nicht.
Die konkrete Forderung der Verbraucherzentrale
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen fordern aktiv ein Provisionsverbot in der Finanzberatung. Außerdem streben sie strengere gesetzliche Regelungen an. Als Begründung nennen sie, dass in einer Auswertung ihrer Beratungsfälle 95 Prozent der Anlagevorschläge von provisionsbasierten Beratern nach ihrer Einschätzung nicht bedarfsgerecht waren.
Tecis taucht in diesem Kontext namentlich auf, weil das Unternehmen als prominentes Beispiel für Strukturvertrieb mit Provisionsmodell gilt. Direkte Bußgelder, Verbote oder Strafmaßnahmen der Verbraucherzentrale gegen Tecis sind dabei nicht dokumentiert – die Kritik gilt dem Modell, nicht nur der Firma.
Mitarbeiter werden bei Tecis: So läuft es ab
Wer bei Tecis einsteigen möchte, durchläuft in der Regel ein mehrstufiges Trainee-Programm. Technisch korrekt heißt das: Du meldest ein Gewerbe an und arbeitest als selbstständiger Handelsvertreter. Kein klassisches Arbeitsverhältnis.
Der Einstiegsprozess Schritt für Schritt
- Erstkontakt – Oft kommt der erste Kontakt über ein persönliches Netzwerk, Veranstaltungen oder Stellenanzeigen.
- Vorstellungsgespräch – Kein Bewerbungsprozess im klassischen Sinn; die Einstiegshürden sind niedrig.
- Gewerbeanmeldung – Du meldest ein Gewerbe an, da du selbstständig tätig bist – nicht angestellt.
- IHK-Prüfungen – Du erwirbst Lizenzen gemäß §34d (Versicherungen), §34f (Kapitalanlageberatung) und optional §34i (Immobilien) nach dem Gewerbeordnungsgesetz.
- Trainee-Programm – Hauptberuflich dauert das Trainee-Programm sechs bis neun Monate, nebenberuflich neun bis achtzehn Monate.
- Beratungsstart – Danach startest du mit eigenen Kunden und kannst optional ein eigenes Team aufbauen.
Welche Voraussetzungen Tecis nennt
Tecis kommuniziert niedrige formale Anforderungen. Branchenspezifische Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung. Laut Stellenausschreibungen zählen Motivation, Teamfähigkeit und wirtschaftliches Grundinteresse zu den genannten Anforderungen. Fließendes Deutsch wird vorausgesetzt.
Ein Muster, das ich in dieser Branche schon viele Male begleitet habe: Jemand hört durch einen Bekannten von Tecis, geht aus Neugierde zu einem Infogespräch – und ist überrascht, wie unkompliziert der Einstieg klingt.
Der erste Monat fühlt sich intensiv an. Viele Stunden Ausbildungsinhalte, IHK-Prüfungsvorbereitungen, Begleitung durch den Mentor. Gleichzeitig soll der neue Berater so früh wie möglich erste Abschlüsse erzielen, weil das eigene Einkommen davon abhängt.
Was dabei oft passiert: Die ersten Kunden kommen aus dem persönlichen Umfeld. Familie, Freunde, Bekannte. Das ist für viele eine unbehagliche Situation, über die vorher selten offen gesprochen wurde. Wer diesen Schritt nicht gehen möchte, steht früh vor einer Entscheidung.
Der typische Verlauf danach teilt sich auf: Ein Teil der Einsteiger beendet das Trainee-Programm frühzeitig. Ein anderer Teil etabliert sich und baut über Monate ein echtes Kundenportfolio auf. Der Unterschied liegt meiner Beobachtung nach weniger an Talent – sondern daran, ob die Person bereit ist, dauerhaft proaktiv Kunden zu akquirieren.
Wie gut ist die Provision bei Tecis?
Das ist die Frage, die die meisten Interessenten bewegt. Die Antwort lautet: Es kommt darauf an – und zwar auf mehrere Faktoren gleichzeitig.
Das Grundprinzip der Provisionsstruktur
Tecis zahlt keine Festgehälter. Das Einkommen besteht ausschließlich aus Provisionen für vermittelte Produkte. Diese Provisionen fließen von den jeweiligen Produktgebern (Versicherern, Fondsgesellschaften, Banken) an Tecis – und Tecis leitet einen Teil davon an den Berater weiter.
Der entscheidende Punkt: Ein ex-Tecis-Berater hat öffentlich dokumentiert, dass er bei rund 2 Millionen Euro Bewertungssumme ca. 90.000 Euro Gesamtprovision an Tecis erwirtschaftet hatte – und davon selbst etwa 30.000 Euro erhielt. Das entspricht einer persönlichen Quote von rund 30 bis 35 Prozent der Gesamtprovision.
Branchenbeobachter nennen als typischen Korridor, dass Berater im Strukturvertrieb oft 30 bis 70 Prozent der Gesamtprovision erhalten, die auf dem freien Markt verfügbar wäre. Die genaue Höhe hängt von der eigenen Karrierestufe ab.
Provisionsstruktur nach Karrierestufen
Diese Tabelle zeigt den allgemeinen Aufbau – konkrete Prozentwerte variieren je nach Produktart und Vertragsstand:
| Karrierestufe | Einkommensbasis | Zusatzeinkommen |
|---|---|---|
| Trainee / Einsteiger | Eigene Abschlüsse, niedrigerer Provisionssatz | Keine Overrides |
| Berater | Eigene Abschlüsse, steigender Satz | Keine Overrides |
| Sales Manager | Eigene Abschlüsse | Kleine Override-Anteile aus Teamabschlüssen |
| Teamleiter | Eigene Abschlüsse + Teamprovision | Overrides aus mehreren Ebenen |
| Country Manager | Hauptsächlich Teamprovision | Overrides aus breiter Struktur |
Den häufigsten Fehler, den ich bei dieser Tabelle beobachte: Einsteiger rechnen mit den Zahlen eines Country Managers und wundern sich, warum ihr erstes Jahr anders aussieht.
Der häufigste Irrtum, den ich zu dieser Frage immer wieder korrigiere: Viele Menschen glauben, ein Strukturvertrieb wie Tecis funktioniere so wie ein klassischer Job mit einem Gehalt und einem klar kalkulierbaren Einkommen. Das ist nicht der Fall.
Selbstständigkeit bedeutet: Im ersten Monat kannst du null Euro verdienen – und im dritten Monat deutlich mehr. Das Einkommen ist direkt an die eigene Aktivität und Abschlussquote gekoppelt. Wer das nicht einkalkuliert, erlebt eine unerwartete finanzielle Anspannung in den ersten Monaten.
Ein zweiter Irrtum betrifft die Provisionshöhe. Viele Einsteiger hören von hohen Provisionen und rechnen das auf ihr Wunscheinkommen hoch. Was sie dabei übersehen: Die Gesamtprovision, die ein Produkt generiert, landet nicht komplett beim Berater. Davon gehen Bürokosten ab, eventuell eine Bürokostenbeteiligung je nach Karrierestufe, und der Strukturanteil, der nach oben fließt.
Was das in der Praxis bedeutet: Ein Berater, der in einem Jahr aktiv arbeitet und gute Abschlüsse erzielt, kann laut verfügbaren Praxisberichten ca. 16.000 Euro Jahreseinkommen erzielen – bei parallelem anderen Engagement. Wer hauptberuflich und mit hohem Einsatz arbeitet, kann erheblich mehr erreichen. Aber die Zahlen, die in Gesprächen oder auf Events genannt werden, entsprechen meistens den Ergebnissen der Top-Performer – nicht dem Durchschnitt.
Stornohaftung: Was du unbedingt wissen musst
Ein Aspekt, der vor dem Einstieg klar sein muss: Stornohaftung.
Das Prinzip: Provisionen für Versicherungsverträge gelten erst dann als vollständig verdient, wenn der Kunde über einen definierten Zeitraum seine Prämien zahlt – die sogenannte Stornohaftungszeit (gesetzlich bis zu fünf Jahre nach §149 VAG). Kündigt ein Kunde den Vertrag frühzeitig, entsteht ein Provisionsrückforderungsanspruch.
Das hat folgende Konsequenzen für dich als Berater:
- Vorschüsse auf Provision zahlt Tecis häufig bereits bei Vertragsabschluss aus.
- Storniert der Kunde während der Haftungszeit, fordert Tecis die Provision anteilig zurück.
- Wer das Unternehmen verlässt, muss offene Stornos aus eigenen Mitteln ausgleichen.
Bei Vertragsgestaltungen als Selbstständiger – also nicht als klassischer Arbeitnehmer – gelten andere rechtliche Rahmenbedingungen als bei Angestellten. Ein Kununu-Eintrag eines ehemaligen Tecis-Beraters dokumentiert, dass man beim Verlassen des Unternehmens zur Rückzahlung von Provisionen verpflichtet war. Das liegt an der Selbstständigenstruktur, die für solche Rückforderungsklauseln breiteren Spielraum lässt als ein klassisches Arbeitsverhältnis.
Als Trainer sehe ich immer wieder, dass Einsteiger den Vertrag unterschreiben, ohne die Stornohaftungsklauseln genau gelesen zu haben – und danach überrascht von Rückforderungen sind. Lass den Vertrag vor der Unterschrift von einem Fachanwalt für Handelsrecht prüfen.
Tecis als Strukturvertrieb: Das Vergütungsmodell im Überblick
Ich habe über die Jahre hinweg viele verschiedene Strukturvertriebe analysiert – DVAG, MLP, Swiss Life Select, Amway, Wolt und andere. Was mich dabei am stärksten beeindruckt hat: Das Grundprinzip ist bei allen ähnlich, aber die Details unterscheiden sich massiv.
Bei Tecis und vergleichbaren Finanzstrukturvertrieben gibt es eine Besonderheit gegenüber klassischen Network-Marketing-Modellen aus der Konsumgüterbranche: Das Produkt, das du vermittelst, sind Finanzdienstleistungen. Das bedeutet: Regulierung durch BaFin und IHK-Lizenzpflicht.
Das unterscheidet Tecis grundlegend von einem Network-Marketing-Unternehmen, das Nahrungsergänzungsmittel oder Haushaltsprodukte vertreibt. Die rechtliche Grundlage ist eine andere, die Anforderungen an den Berater sind andere, und auch die Haftungsstruktur ist komplexer.
Was ich aus dem Branchenvergleich mitnehme: Je mehr regulierte Finanzprodukte ein Strukturvertrieb vermittelt, desto wichtiger ist das rechtliche Verständnis des Einsteigers. Nicht weil das Modell automatisch riskant ist – sondern weil die Konsequenzen von Fehlern (Stornos, Haftung, Lizenzprobleme) erheblicher sind als bei Konsumgüterprodukten.
Einkommensquellen auf einen Blick
Als Berater bei Tecis stehen dir grundsätzlich diese Einkommensquellen offen:
- Abschlussprovision – Einmalzahlung beim Vertragsabschluss, Höhe abhängig von Produkttyp und Bewertungssumme
- Bestandspflegeprovision – Laufende Provision, solange ein Vertrag des Kunden aktiv bleibt
- Override-Provision – Anteil an Abschlüssen deiner Teampartner (ab Sales-Manager-Level)
- Bonussysteme – Sondervergütungen bei Leistungszielen, die Tecis intern definiert
Was kostet es, bei Tecis zu arbeiten?
Dieser Punkt überrascht viele Einsteiger: Nicht nur das Einkommen ist variabel – auch auf der Kostenseite gibt es Variablen.
Bürokostenbeteiligung
Ab einer bestimmten Karrierestufe beteiligen sich Berater anteilig an den Bürokosten des jeweiligen Standorts. Diese Beteiligung steigt mit dem Karriererang. Das bedeutet konkret: Wer aufsteigt, zahlt mehr – trägt aber auch potentiell mehr.
Materialien und Weiterbildung
Vorbereitungsmaterialien für IHK-Prüfungen sowie Weiterbildungsangebote stellt Tecis intern bereit. In der Anfangsphase übernehmen häufig Mentoren oder die Struktur selbst kleinere Kosten.
Selbstständige Kostenstruktur
Da du als Selbstständiger tätig bist, trägst du selbst:
- Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Rentenversicherung)
- Gewerbesteuer (ab Freibetrag)
- Einkommensteuer
- Eventuelle Fahrtkosten, Kommunikationskosten
Wer aus einem Angestelltenverhältnis kommt, unterschätzt diese Gesamtbelastung häufig – weil der Arbeitgeber bisher die Hälfte der Sozialversicherung übernommen hatte.
Kundenperspektive: Was bedeutet das Provisionsmodell für Kunden?
Die Verbraucherzentrale richtet ihre Kritik auch an Kunden von Tecis – nicht nur an potenzielle Berater.
Als Trainer beobachte ich täglich, wie Menschen Finanzentscheidungen treffen – und wie selten sie dabei das Vergütungsmodell ihres Beraters kennen.
Wer zu einem Tecis-Berater geht, erhält kostenlos ein Beratungsgespräch. Das klingt nach einem attraktiven Angebot. Was Kunden dabei oft nicht wissen: Die Beratung ist nicht kostenlos – sie finanziert sich über die Produkte, die dabei verkauft werden. Die Kosten fließen indirekt über die Produktgebühren und Provisionen.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin: Ein Berater, der ausschließlich über Abschlussprovisionen vergütet wird, hat strukturell gesehen einen Anreiz, abschlusspflichtige Produkte zu empfehlen. Einfache, günstige Lösungen – wie ein kostenloser ETF-Sparplan – bringen keine Abschlussprovisionen und erscheinen daher seltener in Empfehlungen.
Was das für Kunden bedeutet: Du kannst zu einem Tecis-Gespräch gehen und gute Beratung erhalten – das hängt vom individuellen Berater ab. Aber du weißt jetzt, welche strukturellen Anreize im Hintergrund wirken. Diese Information hilft dir, Empfehlungen mit dem richtigen Blick zu bewerten und Vergleichsangebote einzuholen.
Ich empfehle immer: Hol dir bei wichtigen Finanzentscheidungen mindestens ein zweites Angebot – auch von einem unabhängigen Honorarberater. Dann kannst du gut vergleichen.
Honorarberatung vs. Provisionsberatung
| Merkmal | Provisionsberatung (z.B. Tecis) | Honorarberatung |
|---|---|---|
| Kosten für den Kunden | Keine direkten Kosten | Stundenhonorar oder Pauschalgebühr |
| Vergütung des Beraters | Provision vom Produktgeber | Direkt vom Kunden |
| Produktauswahl | Aus dem verfügbaren Vertriebsportfolio | Produktunabhängig, marktbreit |
| Interessenkonflikte | Strukturell vorhanden | Strukturell minimiert |
| Regulierung | §34d, §34f GewO (IHK-Lizenz nötig) | §34h GewO (eigene Lizenz) |
Diese Tabelle zeigt keine Qualitätsbewertung – sondern die strukturellen Unterschiede zwischen zwei Modellen. Welches besser passt, hängt von deiner Situation ab.
FAQ
Was sagt die Verbraucherzentrale konkret über Strukturvertriebe wie Tecis?
Die Verbraucherzentrale kritisiert das Provisionsmodell, das Tecis und ähnliche Strukturvertriebe nutzen. Sie fordert ein Provisionsverbot und strengere Regulierung, weil Provisionsanreize aus ihrer Sicht systematisch zu nicht-bedarfsgerechten Produktempfehlungen führen können.
In ihrer Marktbeobachtung haben die Verbraucherzentralen Beratungsfälle ausgewertet und kamen zu dem Ergebnis, dass 95 Prozent der Anlagevorschläge von provisionsbasierten Beratern nach ihrer Einschätzung nicht bedarfsgerecht waren. Diese Kritik gilt nicht exklusiv Tecis – sie gilt dem gesamten Provisionsmodell in der Finanzberatung. Eine direkte Warnung oder ein Verbot gegen Tecis durch die Verbraucherzentrale ist nicht dokumentiert. Die Stiftung Warentest hat Strukturvertriebe allgemein in ihre Beobachtung von Finanzberatungsqualität einbezogen, ohne Tecis in eine offizielle Warnliste aufzunehmen.
Ist Tecis seriös oder unseriös?
Tecis ist ein lizenziertes, reguliertes Finanzberatungsunternehmen, das der Aufsicht der BaFin unterliegt und dessen Berater IHK-Lizenzen nach §34d und §34f GewO benötigen. Das Unternehmen gehört zum Swiss Life Konzern, einem der größten europäischen Lebensversicherer.
In meiner Begleitung von Vertriebspartnern zeigt sich immer wieder: „Seriös“ und „das richtige Modell für dich“ sind zwei verschiedene Fragen. Tecis operiert legal und reguliert. Gleichzeitig nutzt es ein Vertriebsmodell, das strukturelle Interessenkonflikte enthält – so wie alle Provisionsvertriebe in der Finanzbranche. Die Frage ist nicht, ob Tecis seriös ist, sondern ob das Modell zu deinen Erwartungen passt.
Wie viel verdient man bei Tecis wirklich?
Das Einkommen ist vollständig provisionsabhängig und variiert stark. Öffentlich dokumentierte Praxisberichte nennen für nebenberuflich tätige Berater ca. 1.300 Euro monatlich – also etwa 16.000 Euro im Jahr. Hauptberuflich und mit höherem Einsatz sind höhere Beträge erreichbar.
Ein Berater dokumentierte, dass er bei 2 Millionen Euro Bewertungssumme ca. 90.000 Euro Gesamtprovision für Tecis erwirtschaftete und davon selbst 30.000 Euro erhielt – was einer persönlichen Quote von ca. 33 Prozent entspricht. Das Einkommenspotenzial steigt mit der Karrierestufe, da ab dem Sales-Manager-Level Override-Provisionen aus dem eigenen Team hinzukommen. Einsteiger sollten in der Kalkulation die ersten Monate ohne gesichertes Einkommen einplanen, da Abschlüsse Zeit brauchen und Sozialversicherungskosten selbst zu tragen sind.
Muss man bei Tecis sein privates Netzwerk ansprechen?
Nach dem typischen Trainee-Ablauf und vielen verfügbaren Berichten kommen die ersten Kunden häufig aus dem persönlichen Umfeld. Das ist bei Tecis strukturell angelegt, auch wenn es nicht explizit als Pflicht kommuniziert wird.
Ein Muster, das ich so oder ähnlich schon viele Male begleitet habe: Wer in einem Informationsgespräch sitzt, bekommt früh die Frage, wem im eigenen Umfeld eine Finanzberatung nützen könnte. Das Netzwerk ist der schnellste Weg zu ersten Abschlüssen – und deshalb ein zentraler Bestandteil des Einstiegspfads bei provisionsbasierten Strukturvertrieben. Wer das nicht möchte, sollte das vor dem Einstieg klar kommunizieren – und sich fragen, wie er seine Kunden anderweitig akquiriert.
Was passiert mit meiner Provision, wenn ich Tecis verlasse?
Wenn du Tecis verlässt, gelten die Stornohaftungsregeln weiter. Kündigt einer deiner früheren Kunden einen Vertrag innerhalb der Stornohaftungszeit (bis zu 5 Jahre), kann Tecis eine Provisionsrückforderung stellen.
Da du als Selbstständiger und nicht als klassischer Arbeitnehmer tätig bist, greifen andere Schutzrechte als bei einem regulären Arbeitsverhältnis. Arbeitnehmer haben durch Urteile des Bundesarbeitsgerichts stärkere Schutzrechte gegen Provisionsrückforderungen. Handelsvertreter unterliegen dagegen §92 Abs. 4 HGB, wonach der Provisionsanspruch erst dann entsteht, wenn der Kunde die Prämie gezahlt hat. Wer Tecis verlässt, sollte offene Stornoreserven im Blick behalten und juristische Beratung einholen, bevor er den Vertrag kündigt.
Wie läuft die Ausbildung bei Tecis ab?
Tecis bietet ein hausinternes Trainee-Programm, das hauptberuflich sechs bis neun Monate dauert, nebenberuflich neun bis achtzehn Monate. Am Ende stehen IHK-Prüfungen für §34d (Versicherungen), §34f (Kapitalanlageberatung) und optional §34i (Immobilienberatung).
Die Ausbildung läuft über Mentoren und interne Materialien. Vorwissen in der Finanzbranche ist formal keine Voraussetzung. Da du während der Ausbildung als Selbstständiger tätig bist, hast du kein Anrecht auf eine Ausbildungsvergütung – dein Einkommen entsteht ausschließlich durch eigene Abschlüsse, auch in der Trainee-Phase.
Was ist der Unterschied zwischen Tecis und Swiss Life Select?
Beide Unternehmen gehören zum Swiss Life Konzern und nutzen dasselbe Grundmodell: Selbstständige Handelsvertreter vermitteln Finanzprodukte auf Provisionsbasis. Der Hauptunterschied liegt in der Positionierung und Zielgruppe.
Nach 16 Jahren in der Branche ist mir klar, dass Unterschiede zwischen Konzernmarken im Strukturvertrieb für Einsteiger oft weniger relevant sind als die Frage, welches lokale Büro, welcher Mentor und welche Unternehmenskultur konkret dahintersteckt. Swiss Life Select und Tecis teilen dasselbe Mutterunternehmen, dasselbe Provisionsmodell und dieselbe strukturelle Kritik der Verbraucherzentrale. Die Produktpalette umfasst bei beiden über 250 Partnerunternehmen.
Kann man bei Tecis wirklich gut Geld verdienen?
Ja – aber mit dem richtigen Rahmen. Tecis bietet nach eigenen Angaben ca. 3.850 lizenzierte Berater in Deutschland. Das Spektrum der Einkommen ist breit: von Nebeneinnahmen im niedrigen vierstelligen Bereich bis zu Haupteinkommen auf hohem Niveau für erfahrene Führungskräfte mit großen Teams.
Der häufigste Irrtum, den ich zu dieser Frage korrigiere: Viele Interessenten vergleichen das Einkommenspotenzial einer Führungskraft mit den Einstiegsbedingungen eines Trainees. Das sind zwei verschiedene Welten. Führungskräfte verdienen auch an den Abschlüssen ihrer Teams – das setzt voraus, dass du selbst ein Team aufbaust und führst. Das braucht Zeit, Aufbauarbeit und den richtigen Fokus. Wer NUR eigene Abschlüsse macht, bleibt im unteren bis mittleren Bereich der Einkommensskala.
Muss ich bei Tecis ein Gewerbe anmelden?
Ja. Da Tecis-Berater als selbstständige Handelsvertreter tätig sind, ist eine Gewerbeanmeldung verpflichtend. Außerdem brauchst du die entsprechenden IHK-Lizenzen nach §34d und/oder §34f GewO.
Das hat direkte Konsequenzen für deine Sozialversicherungssituation: Als Gewerbetreibender bist du krankenversicherungspflichtig – aber nicht über die gesetzliche Pflichtversicherung wie ein Angestellter. Du wählst selbst zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung und trägst den vollen Beitrag. Rentenversicherungspflicht besteht für Handelsvertreter in bestimmten Konstellationen – das solltest du mit einer Steuerberatung klären, bevor du den Schritt machst.
Wie hoch ist die Stornohaftungszeit bei Tecis?
Die gesetzliche Grundlage für Stornohaftung im Versicherungsbereich ist §149 VAG und §92 Abs. 4 HGB. Danach gilt die Stornohaftungszeit von bis zu fünf Jahren.
In der Praxis bedeutet das: Kündigt ein Kunde seinen Vertrag innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss, kann der Provisionsvorschuss anteilig zurückgefordert werden. Die genaue Ausgestaltung hängt von den individuellen Provisions- und Stornohaftungsbedingungen im Handelsvertretervertrag ab. Wichtig: Lass diese Bedingungen vor der Vertragsunterzeichnung von einem Fachanwalt für Handelsrecht prüfen – damit du weißt, womit du im Fall eines Unternehmensaustritts oder eines Kundenstornos rechnest.
Was du jetzt weißt – und die meisten nicht
Tecis ist kein schwarzes Schaf und kein Geheimtipp. Es ist ein reguliertes, lizenziertes Unternehmen mit einem spezifischen Modell – Strukturvertrieb mit Provisionsberatung. Die Verbraucherzentrale kritisiert das zugrundeliegende Provisionsmodell grundsätzlich, nicht nur Tecis als Firma. Wer diese Unterscheidung versteht, trifft fundierte Entscheidungen – egal ob als potenzieller Berater oder als Kunde.
Ich finde es interessant, dass die meisten Menschen entweder blind einsteigen oder blind ablehnen. Beides kommt aus Unwissenheit – nicht aus echter Analyse. Wer die Struktur, die Provisionsregeln, die Stornohaftung und die Selbstständigkeitsbedingungen kennt, hat eine echte Grundlage. Alles andere ist Raten.
Network Marketing und Strukturvertrieb laufen nach denselben Grundprinzipien – und wer diese Prinzipien wirklich versteht, kann damit arbeiten. Mit Klarheit kommt Energie. Und mit Energie kommt Ergebnis.
Rock it!
Dein Willi